Lernen im Schlaf

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Lernen im Schlaf

Es ist die Idealvorstellung für alle Schüler, Studenten oder generell derer, die etwas lernen möchten. Einfach für Klausuren oder Prüfungen im Schlaf lernen. Unsere Zeit ist kostbar. Warum also nicht den Schlaf nutzen um zu lernen? Egal ob Vokabeln, wichtige Formeln oder die neuesten Vorlesungsinhalte. Aber funktioniert das überhaupt? Ja, sagen Hirn- und Schlafforscher. Welche Schlafphasen dabei wichtig sind und wie das Gehirn im Schlaf lernt, erfahrt Ihr hier.

Die Schlafphasen

Unser Schlaf durchwandert im Laufe der Nacht verschiedene Stadien. Zuallererst kommt die Einschlafphase, in der sich Muskeln und Atmung entspannen. Der gesamte Körper kommt zur Ruhe. Darauf folgt die zweite Schlafphase: der leichte Schlaf. Hier lässt die Muskelspannung weiter nach. Man ist jedoch noch nicht tief in Schlaf versunken und kann auch leicht wieder geweckt werden. Im Anschluss geht man in den Tiefschlaf über. In dieser Phase findet die eigentliche Erholung des Körpers statt. Es ist zudem sehr schwierig jemanden aus der Tiefschlafphase wieder aufzuwecken. Die vierte und letzte Phase ist der Traum- oder REM-Schlaf. REM steht für Rapid Eye Movement. In dieser Phase bewegen sich die Augen sehr schnell und das Gehirn ist sehr aktiv. Nach dem REM-Schlaf geht der Körper wieder in den leichten Schlaf über. Dieser Zyklus wiederholt sich pro Nacht mehrere Male, wobei die Dauer des REM-Schlafes in jedem neuen Zyklus immer länger wird.

Schlaf und Gedächtnis

Welche Auswirkungen hat nun also der Schlaf auf unsere Gedächtnisleistung? Studien zeigen, dass der Schlaf wesentlich dafür ist das Gedächtnis zu bilden. Alle Forscher, die sich mit der Thematik auseinandersetzen, kommen zu dem Ergebnis, dass während des Schlafens etwas passiert, das das Erinnerungsvermögen stärkt. Es konnte festgestellt werden, dass ähnliche Hirnaktivitäten während des Lernens am Tag und im Schlaf selbst vorhanden sind. Dabei trifft das Gehirn eine Auswahl dessen, was am Tag aufgenommen wurde. Die wichtigsten Informationen werden ins Langzeitgedächtnis übertragen, die unwichtigen dagegen nicht. Diesen Prozess nennen Hirnforscher Gedächtniskonsolidierung. Dabei wird dem Gehirn vorgespielt, dass die Inhalte abermals gelernt würden. Durch diese erneute Aktivierung  verfestigen sich die Verbindungen im Gehirn und die zugehörigen Denkmuster. Dies kann zwischen einigen Stunden und Tagen dauern. Der richtige Schlaf führt also dazu bereits erlernte Informationen zu verarbeiten und sich diese zu merken. Insofern lernen wir tatsächlich im Schlaf. Nur welche Schlafphasen sind für welchen Lernstoff zuständig?

Wann lernt das Gehirn was?

Aufgrund diverser Studien kann man unterteilen welche Lerninhalte in welchen Schlafphasen am effektivsten gelernt werden. Generell lernt man nur in der Tiefschlafphase und dem REM-Schlaf. Für beide Phasen gibt es bestimmte Lernstoffe, die besser gelernt werden. So sind die Tiefschlafphasen für das deklarative Gedächtnis, also Faktenwissen und die Aufnahme neuer Informationen wichtig. Dies ist z.B. beim Lernen von Vokabeln relevant. Automatisierte Handlungsabläufe und emotionale Erlebnisse werden dagegen eher im Traumschlaf verarbeitet.

Der Tief- oder auch Deltaschlaf hat darüber hinaus zwei wichtige Aufgaben. Zum einen wird im Tiefschlaf das Gedächtnis konsolidiert. Zum anderen wird aber auch der Speicher des Gehirns wieder freigeräumt, damit neue Informationen aufgenommen werden können. Um diese Effekte optimal zu nutzen ist ausreichender Schlaf Voraussetzung. Eine Mindestdauer von sechs Stunden Schlaf wird hier als angemessen angesehen. Dabei ist es egal, ob in der Nacht oder auch mal mittags geschlafen wird. Wer länger schläft, lernt demnach vermutlich besser.

Darüber hinaus ist nicht nur die Art des Schlafes, sondern auch die Qualität von Bedeutung. Verfällt der Körper in einen unruhigen und schlechten Schlaf hat dies unmittelbare Folgen auf die Lernfähigkeit.  Probanden einer Studie, die sich neue Informationen einprägen sollten, konnten diese nach unruhigem Schlaf schlechter wieder abrufen. Die Studienteilnehmer, die dagegen einen ruhigen und erholsamen Schlaf durchlebten, erinnerten sich deutlich besser. Dabei ist vor allem wichtig, ob die Person in den Tiefschlaf eintaucht. Sind die Phasen des Tief- und des Traumschlafs verkürzt, bleibt weniger im Gedächtnis hängen.

Weitere Studien haben gezeigt, dass die Methode per Ton z.B. Vokabeln im Schlaf zu lernen nicht funktioniert. Dutzende Anbieter versprechen, dass man nur eine CD vor dem Einschlafen einschalten muss und so die Inhalte im Schlaf gelernt werden. Dies ist jedoch nicht der Fall, da sich das Gehirn im Schlaf von äußeren Einflüssen abschottet. Um tatsächlich etwas zu lernen, muss man es sich also zumindest vorher angesehen haben.

Durch Schlaf zum Erfolg

Lernen im Schlaf ist nicht nur möglich, es ist sogar notwendig. Im Schlaf verarbeiten wir Informationen und Erlebnisse des Tages. Erst in den einzelnen Schlafphasen werden dann die wichtigen Inhalte ins Langzeitgedächtnis befördert. Wer also nur lernt und dabei den Schlaf zu kurz kommen lässt, riskiert das Erlernte gleich wieder zu vergessen. Eine gelungene Lerntaktik besteht somit aus beidem: Zeiten, in denen man lernt und in denen man schläft. Eine gesunde Mischung garantiert eine höhere Erfolgsquote. Also, lieber mal ausschlafen!

Gedächtnispalast

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Gedächtnispalast

Wir betreten ein großes Gebäude. Nach dem Flur gehen wir direkt in das erste Zimmer rechts von uns. Dort sehen wir in drei Reihen jeweils sieben, acht und neun Franzosen mit Baskenmützen und Baguette, die miteinander kämpfen. Durch dieses auf den ersten Blick abstruse Bild, erinnern wir uns, dass die Französische Revolution 1789 begann. So funktioniert beispielhaft die fortgeschrittene Mnemotechnik namens Gedächtnis- oder Gedankenpalast. Eine Methode zum Abspeichern und Abrufen von Informationen. Eine Methode zum Auswendiglernen und zum Trainieren des Gedächtnisses. Wie das Konzept des Gedächtnispalasts funktioniert, erfahrt ihr hier.

Die Technik sich bestimmte Informationen zu merken, indem man sie mit bestimmten Orten verknüpft ist nicht neu. Bereits die Rhetoriker im antiken Griechenland und Rom haben sich der Routen-Methode bedient um lange Reden flüssig aus dem Gedächtnis abrufen zu können. Dabei erstellten sie geistig eine Route, an deren markanten Orten Schlüsselworte verknüpft wurden.

Loci-Methode

Diese sogenannte Loci-Methode bildet den Ursprung und die Basis des Gedächtnispalasts. Dabei werden Orte und Objekte mit Lerninhalten verknüpft. Man sucht sich eine reale Route aus oder erstellt eine in seinem Kopf. Muss man die Informationen dann abrufen, geht man diese Route im Geist ab und stellt die Verbindung zwischen Ort und Inhalt her. Somit lassen sich Informationen besser merken.

Die Methode des Gedächtnispalasts arbeitet ähnlich, nur dass man hierbei nun keine Route festlegt, sondern sich ein Konstrukt in Gebäudeform festigt, das dann mit passenden Informationen gefüllt wird. Somit kann der Gedächtnispalast als eine Weiterentwicklung der Loci-Methode betrachtet werden.

Einen Palast bauen

Ein geistiges Konstrukt angefüllt mit Informationen zu erstellen, stellt eine fortgeschrittene Form der Gedächtnistechnik dar, weshalb man sich erst daran gewöhnen muss. Außerdem ist eine gute Vorstellungskraft dafür von Nöten. Am Anfang empfiehlt es sich nicht direkt mit einem Palast, sondern mit etwas Kleinerem zu beginnen. Dabei kann jedes erdenkliche Konstrukt verwendet werden: ein Haus, eine Garage, eine Hütte im Wald etc. In dem Gebäude gibt es dann verschiedene Plätze oder auch Loci, an denen das Wissen abgelegt werden kann. Um dies tun zu können, müssen die Lerninhalte vorher verbildlicht werden. Die Informationen werden dann assoziativ mit dem Ort, an dem sie „gelagert“ sind, verknüpft. Um es sich besser zu merken sind besonders lebhafte und emotionale Bilder von Vorteil. Genau wie bei anderen Lerntechniken sollten die abgelegten Informationen öfters wiederholt werden, also der Gedächtnispalast öfters besucht werden. Ist dies getan, kann das Gebäude stetig erweitert werden, sodass es mit der Zeit von allein zu einem Palast wächst.

Ihr könnt euch darunter noch nichts genaues vorstellen? Kein Problem, an einem kleinen Beispiel wird es deutlicher. Ihr lernt für eine Juraprüfung und baut euch deshalb ein Haus. An der Vordertür prangt ein großes eingeschnitztes Paragraphen-Zeichen (§), damit ihr wisst: Hier geht es um Recht. Für das Strafrecht konstruiert ihr ein Zimmer mit einer großen Zelle mit Eisengittern mitten im Raum. Hier legt ihr dann alle möglichen Details für das Strafrecht ab. Ein anderes Zimmer beinhaltet Elemente des Steuerrechts, und darin sitzt Angela Merkel und badet wie Dagobert Duck in den Steuergeldern. Sind die Bilder abstrus, lassen sie sich tendenziell besser merken.

Diese Mnemotechnik eignet sich also hervorragend für das Speichern und Abrufen von Informationen, die in einem linearen Rahmen angesiedelt sind und sich gut verbildlichen lassen. Für andere, etwas komplexere Gedankenspiele und Wissensgebiete könnte es weniger hilfreich sein. Trotzdem ist der Gedankenpalast, gesehen als eine enorme Eselsbrücke, ein Bild für das bewusst gelernte Faktenwissen. Wenn man das Gebäude bewusst entstehen lässt und sich mehrfach vor Augen führt, lassen sich gelernte Inhalte leicht verinnerlichen.

Referenzen in der Popkultur

Der Gedächtnispalast existiert nicht nur als spröde Theorie, sondern fand bereits prominente Erwähnung in der heutigen Popkultur. Das berühmteste Beispiel liefert dabei die fiktive Figur des Detektivs Sherlock Holmes. Sein Schöpfer Arthur Conan Doyle beschrieb die Technik des Gedächtnispalastes bei Holmes, der sich dadurch enorm viele Informationen speichern konnte. Auch in der modernen TV-Serie mit Benedict Cumberbatch wird das Prinzip des Gedächtnispalasts visualisiert. Eine andere bekannte Romanfigur, die diese Gedächtnistechnik anwendet, ist der von Thomas Harris erfundene Therapeut Dr. Hannibal Lecter. Dieser nutzt in den Romanvorlagen den Gedankenpalast neben der Gedächtnisfunktion auch zur Entspannung und zur Überbrückung eintöniger Zeiten, wie z.B. eines langen Fluges.

Die Methode des Gedächtnispalastes ist keine einfache Technik, doch mit Übung kann sie zu einem sehr hilfreichen Instrument zum Abrufen von Informationen werden. Zudem fördert es durch Phantasie und Vorstellungskraft die Hirnleistung an sich. Hat man einmal ein funktionierendes Konstrukt erschaffen, sind die Erweiterungsmöglichkeiten schier grenzenlos.