Elaboratives Lernen

Elaboratives Lernen
Elaboratives Lernen

Es ist mal wieder diese Zeit des Jahres. Schüler schreiben ihre letzten Klausuren vor den Sommerferien und für die Studenten stehen die Abschlussklausuren des Semesters an. Es ist Prüfungsphase! Und wie jedes Mal in dieser Zeit fangen Studenten wieder viel zu spät an zu lernen und versuchen sich all das Wissen in kurzer Zeit einzutrichtern. Auswendiglernen lautet meist die gewählte Formel zum vermeintlichen Erfolg. Dass diese Methode jedoch meist schlecht gewählt ist, bestätigen viele Experten. Wie man besser lernt, zeigt das sogenannte elaborative Lernen.

Im Laufe des Semesters oder des Schuljahres kommt so einiges an Lernstoff zusammen. Um Ordnung und Überblick zu bekommen, muss daher erst einmal vereinfacht und aussortiert werden. Bei dieser reduktiven Variante wird der Inhalt auf das Wesentliche verkürzt. Das elaborative Lernen geht darüber hinaus. Denn bei dieser Lernform wird das neue Wissen mit dem bereits vorhandenen Vorwissen verknüpft. So soll der Inhalt besser verankert im Gedächtnis verankert werden. Um den Lernerfolg sicherzustellen, muss der Lernstoff gelesen und gleichzeitig verstanden werden, so der Lernforscher Andreas Gold am Institut für Pädagogische Psychologie der Universität Frankfurt am Main. Doch wie macht man das am besten?

Techniken des elaborativen Lernens

Eine der wichtigsten „Techniken“ beim elaborativen Lernen ist den Lernstoff in eigenen Worten widerzugeben. So sollten keine einzelnen Merksätze oder Auflistungen aus den Materialien wortwörtlich übertragen und gelernt werden. Sich die Inhalte in eigenen Worten aufzuschreiben hilft dabei, sich diese besser zu merken und man stellt fest, ob man die Inhalte auch richtig verstanden hat. Elaborativ lernen bedeutet aber auch Fragen an den Text oder die Materialien zu stellen und sich kritisch mit diesen auseinander zu setzen. Sich zu fragen warum das eben Gelernte gerade so ist oder warum diese Aussage zutrifft, sei die beste Methode, um gerade Erlerntes im Gedächtnis zu behalten, behauptet Frank Fischer, Professor für Pädagogische Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Weitere effiziente Methoden bestehen darin, das Gelernte einem Laien in einfachen Worten zu erklären, die gelernten Inhalte auf eigene Erfahrungen zu beziehen, die Inhalte zu visualisieren und sie sich bildhaft vorzustellen oder Analogien zum Lernstoff zu finden. Einen eher ungewöhnlichen Tipp hält die Psychologin Helga Knigge-Illner parat. Sie sagt: „Halten Sie doch einfach einmal eine flammende Lobrede auf eine Theorie, die Sie gerade lernen müssen.“

Die Theorie dahinter

Die Theorie der Elaborations- oder Verarbeitungsebenen aus der Gedächtnispsychologie wurde 1972 von Craik und Lockhart verfasst. Diese besagt, dass Menschen Informationen umso besser behalten können, je tiefer sie diese bei der Enkodierung verarbeitet haben. Die Verarbeitung dessen ist umso tiefer, je mehr Bezüge und Verbindungen zum eigenen Vorwissen knüpft und je mehr eigene Gedanken man zum Lernen hinzufügt. So wäre es am Vorteilhaftesten bereits beim Mitschreiben im Unterricht oder der Vorlesung zu elaborieren, um das aufgenommene Wissen bestmöglich einzuprägen.

Wenn immer wir etwas in eigenen Worten erklären, müssen wir uns konzentrieren. Das hilft dabei sich die Inhalte ins Gedächtnis zu übertragen. Die Gefahr dabei bereits vorformulierte Inhalte wiederholt zu lernen, besteht darin, dass das Gelernte nicht addiert, sondern eher verdrängt wird. Diese Gefahr lässt sich durch elaboratives Lernen deutlich mindern.

Fazit

Es gibt viele verschiedene Arten zu lernen. Einige sind effektiver als andere. Generell kommt es jedoch auf den individuellen Lerntyp an. Jeder hat bestimmte Stärken und Schwächen was das Lernen angeht. Das elaborative Lernen stellt eine eher effizientere Lernmethode dar. Dabei ist vor allem das Verfassen des Gelernten in eigenen Worten wichtig. Wendet man diese recht simplen Methoden an, steigert dies die Wahrscheinlichkeit auf einen positiven Prüfungsausgang. Für alle, die im Moment tief in der Prüfungsphase stecken.