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Prüfungsangst

quote-1444099_1280Es ist der Abend vor der Prüfung. So langsam stellt sich leichte Nervosität ein. Man schläft, wenn überhaupt, nur unruhig. Am nächsten Morgen geht man dann müde zur Prüfung. Man sitzt im Prüfungsraum. Die anderen Prüflinge lernen noch ein wenig oder ruhen sich etwas aus. Die Anspannung steigt. Dann wird die Prüfung ausgeteilt. Der Herzschlag beschleunigt sich, kalter Schweiß bricht aus, der Kopf blockiert. So oder so ähnlich geht es vielen Studierenden, Schülern oder Azubis. Doch woher kommt eigentlich diese Prüfungsangst und wie kann man sie beheben?

Definition und Symptome

Die Prüfungsangst ist eine Angst vor der Bewertung der persönlichen Leistung und stellt somit eine Sonderform der sozialen Bewertungsangst dar. Oft geht diese Angst auf negative Erfahrungen in der Kindheit zurück, in denen man Ohnmachtsgefühle verspürte oder Situationen starker Überforderung erlebte. Solche Situationen versucht man nun vermehrt zu vermeiden. Dabei bezieht sich die Prüfungsangst meist nicht darauf zu versagen, sondern eher auf die Folgen. Gesichtsverlust, Spott, Statusverfall sind die Komponenten, die wir fürchten, sollten wir eine Prüfung nicht zufriedenstellend bewältigen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Einige setzen zu hohe Erwartungen an sich selbst. Dieser übersteigerte Ehrgeiz entfesselt einen gewaltigen Druck, dem der Prüfling irgendwann nicht mehr gewachsen ist. Zusätzlich zu einem selbst erstellten Druck, kann auch noch ein Druck von außen die Prüfungsangst weiter begünstigen. Erwartungen der Eltern oder die Einhaltung der Regelstudienzeit beeinflussen zunehmend. Eine schlechte Vorbereitung trägt darüber hinaus zu erhöhter Nervosität und Angst während der Prüfung bei. Diese entstehende Prüfungsangst mindert das Selbstvertrauen.

Dabei kann ein gewisses, gemäßigtes Level an Angst sogar förderlich und aktivierend wirken. In geringem bis mittleren Level erhöht Angst den Wachheitsgrad und die Aufmerksamkeit und steigert die Konzentration sowie das Reaktionsvermögen. Erst wenn der Stress zu groß wird und länger anhält, schlagen dessen Vorteile in Nachteile um. Der Körper reagiert mit Widerstand. Die Ausschüttung von Adrenalin und Cortisol, die in geringem Maße noch förderlich wirkten, verhindern nun den Zugriff auf die Lerninhalte. Das System ist auf Flucht ausgelegt. Was in frühen Zeiten der Menschheit das Überleben bedeuten konnte, wird uns heute zum Verhängnis. Aus diesen Gründen sollte es bei der Bewältigung von Prüfungsangst nicht darum gehen die Angst zu vermeiden, sondern darum den Umgang mit der Angst zu lernen und diese so produktiv zu nutzen.

Tipps und Mittel gegen Prüfungsangst

Angst vor vielen Dingen, unter anderem vor Prüfungen, steckt tief in uns. Es gibt keine einfachen Wege diese von jetzt auf gleich zu beheben. Gerade in besonders schwerwiegenden Fällen kann letzten Endes vielleicht nur noch eine professionelle Therapie helfen. Trotzdem gibt es einige Methoden und Mittel um Prüfungsangst zumindest abzuschwächen.

  • Gute Vorbereitung

Bei Vielen rührt die Prüfungsangst daher, da sie sich nicht ausreichend auf die Prüfung vorbereitet haben. Das beinhaltet sowohl fachliche als auch mentale Aspekte. Frühzeitig mit dem Lernen zu beginnen, sich eventuell einen Lernplan zu erstellen und nicht in Prokrastination zu verfallen, sind alles Dinge, die leicht durchzusetzen sind und der Angst in der Prüfung vorbeugen können. Darüber hinaus sollte man sich auch mental auf die Prüfung vorbereiten. Durch Testklausuren versetzt man sich in eine ähnliche Situation, die auch in der Prüfung vorherrscht. Setzt euch die gleiche Zeit, die ihr auch in der Klausur zur Verfügung und übt somit die Prüfungsgegebenheiten. So gewöhnt man sich an die Prüfungssituationen und ist in der tatsächlichen Prüfung nicht mehr so überfordert mit der Situation.

  • Emotionsregulierung

Bei Ängsten aller Art spielen Emotionen eine wesentliche Rolle. Durch den Versuch diese zu regulieren, kann schon einiges gewonnen werden. So sollte man sich klarmachen, dass das Leben auch nach der Prüfung weitergeht. Die Stresssituation Prüfung ist meist nur eine temporäre Angelegenheit. Danach sinken das Stresslevel und die Nervosität wieder merklich. Malt euch also aus, was ihr am Nachmittag nach der Prüfung machen werdet oder führt euch vor Augen, wie ihr die Klausur bewältigen und schaffen werdet. Stress und Angst entstehen oft nur daraus, dass man sich selbst einredet, man könne dieses und jenes nicht. Diese Spirale der negativen Emotionen muss aufgehalten werden durch positive Empfindungen. Redet man sich lange genug ein, man schaffe das schon, wird dieser Gedanke auch irgendwann Wirklichkeit.

  • Entspannung

Gemeinsam mit der Prüfungsangst kommt auch immer eine gewisse Anspannung daher. Diese mindert unsere Konzentration und Effektivität. Mit einfachen Mitteln kann diese Anspannung gelockert werden. Eine bewusste Atmung kann während der Prüfung den Kreislauf beruhigen und die Sauerstoffzufuhr des Gehirns anregen. So sollte man tief und langsam in den Bauch einatmen, kurz die Luft halten und dann wieder ausatmen. Darüber hinaus kann ein kurzfristiges An- und wieder Entspannen der Muskeln dazu führen, dass die Produktion der Stresshormone gemindert wird. Eine gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf tragen weiterhin zu einer erhöhten Leistungsfähigkeit bei.

  • Sich Angst bewusst machen

Die Angst ist im Moment der Prüfung da. Diese zu leugnen oder sie sich wegdenken zu wollen, bringt nichts. Seid euch eurer Angst bewusst, aber eben auch, dass ihr sie kontrollieren könnt. Dabei hilft euch bewusst zu machen, dass ihr nicht alleine seid. Hochschul-Studien zufolge leiden ca. 40% aller Studierenden unter starker Prüfungsangst. Ihr seid also nicht die oder der Einzige, der mit flauem Magen im Prüfungsraum sitzt. Darüber hinaus haben Forscher der Universität Chicago herausgefunden, dass es hilft seine Ängste vor der Prüfung aufzuschreiben. Dies lagert die Ängste extern ab, wodurch das Kurzzeitgedächtnis wieder fähig ist zu denken und nicht mehr durch Angst blockiert wird. In ihrer Studie erreichten die Studierenden, die ihre Ängste aufgeschrieben haben, ein signifikant höheres Testergebnis als Studierende, die dies nicht taten.

Fazit

Jeder Mensch hat Angst. Es ist eine evolutionäre Errungenschaft, die uns das Überleben ermöglichen soll. In der heutigen Welt haben sich Ängste jedoch auf andere Gebiete ausgebreitet, die nicht mehr unser Überleben aber unser soziales Leben bedrohen können. So empfinden Viele eine Angst vor Prüfungen, da sie deren soziale Implikationen fürchten. Statusverlust, Spott oder soziale Ausgrenzung ist, was wir fürchten. In Prüfungen zeigt sich diese Angst dann an typischen Stresssymptomen wie einem schnelleren Herzschlag oder Schweißausbrüchen sowie Blackouts. Obwohl die Inhalte vielleicht präsent sind und der Prüfling diese im Normalfall beherrscht, verhindert die Prüfungsangst diese Kenntnisse einzusetzen. Durch eine gute Vorbereitung auf die Prüfung, die Erarbeitung einer emotionalen Stabilität und Entspannungsübungen kann etwaigen Prüfungsängsten vorgebeugt werden. Deshalb (wenn es euch möglich ist): Macht euch nicht verrückt, das Leben geht auch nach der Prüfung weiter.

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