Lerntips und Lerntechniken fürs Medizinstudium

Helen K., Medizinstudentin an der Universität Mainz, teilt mit uns Ihren Erfahrungsbericht zum Thema „Lernen lernen“ aus der Perspektive einer Medizinstudentin

Jeder Student (sei man nun Erstsemestler oder kurz vor der Abschlussprüfung) findet sich früher oder später vor einem scheinbar unüberwindbar riesigen Lernberg. Der Gipfel ist deutlich sichtbar, der Weg dorthin jedoch genauso schleierhaft wie die Frage „Wo fange ich bloß an?“. Vor allem im Studiengang Humanmedizin, in dem nicht nur die Lerninhalte, sondern auch die dafür angebotenen Hilfsmittel und Lerntechniken meist vielfältiger sind als einem angesichts der bevorstehenden Prüfung lieb ist, ist ein effektives Lernkonzept anzuraten. Natürlich gibt es keinen perfekt zugeschnittenen Masterplan zum Erfolg, da jeder Student einen individuellen „Hintergrund“ mit sich bringt und jede Uni bzw. jeder Dozent was anderes will. Trotzdem lassen sich einige Lernstrategien im Allgemeinen ganz gut anwenden.

Im Medizinstudium sind Lehrbücher unumgänglich, so unattraktiv manch dicker Wälzer auch erscheinen mag. (Zumindest habe ich noch keinen gesehen, der allein mit Vorlesungsfolien und Skript auskommt.) Dabei sollte man vorher überlegen:

  1. Welche Bücher gehören zur „Pflichtlektüre“? Manche Dozenten geben zu Beginn des Semesters Literaturtipps, wobei man am besten bei den Vorgängern nachfragen sollte, ob diese wirklich sinnvoll sind. Denn nicht selten wurden Bücher von fast 1000 Seiten für 70-80€ angepriesen, die dann eher zur Dekoration im Regal standen. Andere Bücher hingegen haben sich schon über Jahrzehnte als gute Studienbegleiter bewährt und werden gerne von den Dozenten selbst in den Vorlesungen immer wieder genutzt, wie z.B. die drei Prometheus-Anatomie-Atlanten vom Verlag Thieme.
  2. Mit welchem Konzept kann ich am besten lernen? Der eine arbeitet lieber mit Texten, der andere kann sich mit farblichen Darstellungen und Schaubildern eher anfreunden. Mir persönlich hat z.B. das Konzept der „Dualen Reihe“ sehr geholfen. Diese Bücher sind umfangreich, aber übersichtlich gegliedert, bebildert und enthalten neben dem Fließtext eine Randspalte mit den wichtigsten Stichpunkten, die man z.B. bei Zeitnot schnell überfliegen kann. Merksätze, Synonyme, Definitionen und klinische Bezüge sind in Kästen hervorgehoben und zusammenfassende Tabellen erleichtern den Überblick.
  3. Sind alle Informationen enthalten? „Besser zu viel als zu wenig“ gilt hier nicht unbedingt. In einigen Fächern war doch tatsächlich ein Kurzlehrbuch ausreichend. Über das Inhaltsverzeichnis kann man sich vergewissern, ob die wichtigsten Themen abgedeckt sind. Hilfreich ist es auch, nach speziellen Begriffen im Sachregister zu schauen oder ein Kapitel in den verschiedenen Lehrbüchern zu vergleichen.
  4. Woher bekomme ich die Bücher? Gerade wenn das Budget knapp ist, neigen Lernende dazu, an den falschen Ecken zu sparen. Leider bietet die Unibibliothek nicht alles, was das Studentenherz an Literatur begehrt. Wenn man zu den frühen Vögeln gehört, ist es dennoch zumindest den Versuch wert, sich durch den Bücherdschungel der Unibib zu kämpfen. Der Rest muss sich die Bücher woanders besorgen. Günstige Alternativen sind: gebrauchte Bücher auf Internetseiten wie amazon, ebay, booklooker.de, semesterbooks.de etc., oder auch von Vorgängern (z.B. gibt es in Mainz den „Bücherbasar für Mediziner“). Dabei sollte man darauf achten, eine möglichst neue Auflage zu kaufen.

Lerntechniken für das Medizinstudium 

Weitere Lerntechniken reichen von selbstgebastelten Modellen über Lernkarten bis hin zu 3D Apps. Klar ist: Je mehr Gehirnareale beim Lernen beansprucht werden, sprich je mehr Sinne am Lernen beteiligt sind, desto länger bleibt das Gelernte im Gedächtnis. Doch besteht die Gefahr, dass man vieles ausprobiert und nichts durchzieht oder sich ablenken lässt. Man sollte sich also fest für die Methoden entscheiden, die am besten funktionieren.

Lernen in der Gruppe

Wer bei persönlicher Interaktion mehr mitnimmt, kann eine Lerngruppe bilden oder einem Tutorium beitreten; im Fach Anatomie haben wir uns z.B. gegenseitig an Modellen, Schnitten oder den Leichen abgefragt und am Whiteboard komplexere Themen erklärt.

Lernen mit Videos

Wer bevorzugt mit elektronischen Medien arbeitet, kann sich nach Lernvideos umschauen. So stellt die Seite khanacademy.org viele kostenlose englische Tutorials zur Verfügung, nicht nur für den Fachbereich Medizin, sondern auch für viele andere Wissenschaften. Gerade weil sie sehr anschaulich, simple und einprägsam ist, wurde diese Lehrmethode von vielen Youtubern übernommen, sodass man auch auf der Videoplattform einiges an guten Lernvideos findet.

Lernen mit Karteikarten

Wer gerne mit Karteikarten arbeitet, ist mit Repetico bestens bedient. Insbesondere im Fach Medizinsche Terminologie ist es praktisch, die Vokabeln und Definitionen abzutippen und dann in beliebiger Reihenfolge zu wiederholen. Man kann die Lernkarten schnell verschiedenen Kategorien zuordnen, durch Abbildungen ergänzen und jederzeit nachkorrigieren (was bei Karteikarten auf Papier dagegen ziemlich mühsam und umständlich sein kann). Bei 800 Begriffen spart man mit Repetico deutlich an Zeit und Nerven, es geht keine Karte verloren und man muss keine Stapel mit sich herumschleppen. Zudem werden von Repetico bereits vorgefertigte Lernkartensätze angeboten, die von entsprechenden Verlagen erstellt wurden. Im medizinischen Bereich ist derzeit vom Verlag Elsevier ein Kartensatz für Anatomie und Physiologie verfügbar. Weitere Informationen zum Lernen mit Karteikarten findet ihr hier.

Zeitmanagement

Hat man nun die Werkzeuge gesammelt, gilt es, sie auf effektivste Weise zu nutzen. Man kann es sicher nicht oft genug sagen: Das A und O für’s Studium ist Zeitmanagement. In gewissen Fächern kann man einfach nicht genug, geschweige denn alles wissen. Hier gibt es Fallen, in die viele gleich am Anfang tappen: Selbstüberschätzung und Unterschätzung der Lernmasse. Gegenmittel: Realistische Ziele setzen, Pläne entwerfen, rechzeitig anfangen und dran bleiben!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.