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Es müssen nicht immer selbsterstellte Skripten sein – wie wäre es mit einem Lehrbuch?

In meinen Veranstaltungen setze ich sehr gerne Standard-Lehrbücher ein, anstatt eigenhändig verfasste Skripte zu nutzen. Bei der Fülle an sehr guten Lehrbüchern in meinem Fachgebiet ist das auch sehr leicht möglich.

Stattdessen konzentriere ich meine Energie darauf, die Studierenden bei der selbständigen Erarbeitung der Inhalte in der Veranstaltung selber und mit zusätzlichem Material zu unterstützen – so wie ein Trainer/Coach bei der SKI-Europameisterschaft, deshalb heißt das Konzept auch „SKI EM“:

Das Akronym SKI EM steht für:

S trukturieren
K ommentieren
I ntegrieren
E laborieren
M emorieren

Wie könnte das genau aussehen?

Zunächst berichtet der Lehrende begeistert von den Inhalten, die es zu erarbeiten gilt. Der Lernende macht sich die Wichtigkeit deutlich und schafft sich eine positive Lernatmosphäre.

Dann geht es mit dem eigentlichen „Lernen“ los.

Die Inhalte lassen sich z.B. sehr gut mit Lernpostern und Mind Mapsstrukturieren. Man überblättert den Text, geht vom Allgemeinen zum Besonderen, nutzt die Überschriften als Startpunkt, erstellt ein Poster, eine Mind Map, ein Exzerpt etc. Hier gibt der Lehrende Anleitung bzw. stellt fertige Materialien zur Verfügung.

Weiterhin kommentiert der Lehrende die Texte aus dem Lehrbuch. Er gibt Hilfestellung, die wichtigsten Passagen zu finden, weist auch auf Schwächen hin, zeigt Erweiterungsmöglichkeiten, andere Sichtweisen und Diskussionsbedarf auf. Er hilft den Studierenden beim Lernen, in dem er ihnen Wege aufzeigt, über den Text nachzudenken. Lernen heißt ja bekanntlich – so z.B. auch Manfred Spitzer – über Lerninhalte nachdenken.

Optimalerweise zeigt der Lehrende Wege auf, den Stoff mit bereits bestehendem Wissen zu verknüpfen und in die berufliche und private Sphäre des Lernenden zu integrieren, also hier mit Verknüpfungen zu verankern.

Zudem hilft er, die Inhalte zu elaborieren, also breitzutreten. Er zeigt interessante ergänzende Quellen – z.B. im Internet – auf und weist darauf hin, was man damit machen könnte. Er gibt Hinweise auf Übungsaufgaben.

Natürlich muss auch das Memorieren unterstützt werden. Hier helfen wiederum das Lernposter, die Mind Maps und auch Lernkarten, die vorbereitet und zur Verfügung gestellt werden können. Setzt man auch auf den positiven Lerneffekt, der auftritt, wenn die Lernenden selber Lernkarten erstellen, so kann ihnen aber immerhin mit Wortlisten geholfen werden, also einer Aufzählung der Begriffe, zu denen aus der Sicht des Lehrenden – Lernkarten geschrieben werden sollte.

So sollte es gelingen.

Ihr

Prof. Dr. Werner Heister

Bild: © Stefan Bayer / PIXELIO

1 Comment

  1. Hallo!

    meiner Erfahrung nach geht NICHTS über selbst erstellte Skripte. Nur hier lernt der Betroffene, sich mit den Inhalten kritisch und eigenständig auseinanderzusetzen. Diesen ersten Schritt des Auffassens und Wiedergebens kann nichts ersetzen, vor allem kein stupides Wiederkauen fremder Texte.

    Wie ein schlauer Mann mal sagte: Was man verstanden hat kann man einfach ausdrücken.

    Und nur darum geht es…

    ps: Dann kann man auch bei der Weltmeisterschaft mitfahren und muss sich nicht mit der EM begnügen.

    Grüße

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