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Emotionale Intelligenz

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Erfolgsfaktor für Karriere und berufliches Leben – wichtiger als IQ?

Was macht einen Menschen intelligent? Wie bemisst man Intelligenz? Gilt die lange verwendete und heute noch oft zitierte Formel, je höher der Intelligenzquotient (IQ), desto intelligenter der Mensch? Oder ist die von David Goleman beschriebene Emotionale Intelligenz, wie aus seinem Buch von 1995 bekannt, der richtige Gradmesser? Was es mit Emotionaler Intelligenz und deren Auswirkungen auf die eigene Karriere auf sich hat und wie es sich vom IQ unterscheidet.

Was ist Emotionale Intelligenz?

Bereits 1990 wurde der Begriff der Emotionalen Intelligenz von den Psychologen John D. Mayer und Peter Salovey eingeführt, bevor David Goleman in seinem gleichnamigen Buch den Begriff populär machte. Der Begriff beinhaltet eigene und fremde Gefühle wahrzunehmen, zu verstehen und zu beeinflussen. Somit ist es eine Erweiterung der klassischen Vorstellung von Intelligenz, die die rein kognitiven und akademischen Fähigkeiten heranziehen, um die Intelligenz einer Person zu beziffern. Diese Art des Lösens logischer Rätsel oder Aufgaben spiegelt jedoch eher die kognitive Intelligenz wieder. Eben nur eine Art von Intelligenz. Andere Facetten wie eben die emotionale, die sprachlich-linguistische oder die bildlich-räumliche Intelligenz werden bei der Bestimmung der menschlichen Intelligenz meist außer Acht gelassen.

Emotionale Intelligenz wird vor allem dadurch definiert Emotionen zu kennen, zu beeinflussen und in die Tat umzusetzen. Diese Fähigkeiten liegen dem Fakt zugrunde, dass Menschen ihre Emotionen bewusst steuern können. Die Meisten fühlen sich jedoch ihren Emotionen ausgeliefert, anstatt sich selbst zu beruhigen und so negative Gefühle abzuschwächen. Weiter ist eine ausgeprägte Empathie der Grundstein für Emotionale Intelligenz. Ist man in der Lage versteckte Signale und Verhaltensmuster Anderer zu erkennen und so herauszufinden, was der Gegenüber braucht oder will, ist man in der Lage eine fundierte Beziehung zu anderen Menschen aufzubauen. Allerdings verschweigt auch Goleman in seinem Buch nicht, dass Empathie auch dazu genutzt werden kann, andere Menschen zu manipulieren und negativ zu beeinflussen.

Menschen mit emotionaler Intelligenz

  • besitzen ein realistisches Selbstbild.
  • können ihre Emotionen steuern.
  • können sich und andere motivieren.
  • können mitfühlen.
  • besitzen soziale Kompetenz.
  • sind gute Gesprächspartner.

Man mag sich jetzt denken, das ist alles sehr interessant, doch was hat das mit Beruf und Karriere zu tun?

Ansätze für Beruf und Karriere

Die Psychologen, die hinter dem Konzept der Emotionalen Intelligenz stehen, behaupten, dass dieser Umgang mit Emotionen einen großen Einfluss auf Beruf und Karriere hat. So wird der fachlich beste Arbeiter im Beruf scheitern, wenn es ihm an Emotionaler Intelligenz mangelt. Als ein gern genommenes Beispiel erscheint die Figur des Sheldon Cooper aus der TV-Serie ‚The Big Bang Theory‘. Ist dieser zwar fachlich überaus intelligent und besitzt einen hohen IQ, hat er doch Probleme im zwischenmenschlichen Bereich. So fällt es ihm schwer Emotionen seiner Mitmenschen zu erkennen und gerät deshalb oft in missliche Lagen. Somit ist die Arbeit von Goleman & Co. auch ein Beitrag auf die Frage nach Erfolg im Leben und Beruf.

Es existieren bereits empirische Studien, die zeigen, dass Menschen mit ausgeprägter Emotionaler Intelligenz im beruflichen und privaten Leben erfolgreicher sind. Sie leiden zudem weniger an psychischen Störungen, haben bessere persönliche Beziehungen, sind zufriedener und weniger anfällig für schlechte Angewohnheiten, wie Rauchen oder ungesunde Ernährung. Emotionale Intelligenz kommt eine gehobene Präferenz bei der Führung von Mitarbeitern und so vor allem im Personalbereich zu. So koordinieren und fördern Führungskräfte die Ressourcen ihrer Mitarbeiter. Dabei hilft ihnen Emotionale Intelligenz wichtige Fähigkeiten der Kollegen zu erkennen und diese voranzubringen. Somit kann ein besseres Arbeitsklima geschaffen und die Produktivität gesteigert werden. Darüber hinaus zeichnet Menschen mit hoher Emotionaler Intelligenz eine hohe Frustrationstoleranz aus, die ja sehr hilfreich im allgemeinen Arbeitsalltag sein kann. Laut Goleman fließen heute bereits über 50% der Bewertung eines Bewerbers über Emotionale Intelligenz in den Bewerbungsprozess mit ein. Das fachliche Wissen und der IQ würden nur jeweils zu 25% mit einbezogen.

Kann man Emotionale Intelligenz lernen?

Ähnlich wie bei der kognitiven Intelligenz, die durch Aufgaben und Inhalte gesteigert werden kann, stellt sich auch bei der Emotionalen Intelligenz die Frage: Kann man das lernen? Die Antwortet lautet: teilweise. Es ist nicht so einfach durch bestimmte Aufgaben seinen EQ (Emotionaler Intelligenzquotient) zu steigern. Es gibt jedoch ein paar Tipps, durch die diese Kompetenz erweitert werden kann. So sind ein höheres Selbstbewusstsein und die Fähigkeit sich selbst zu reflektieren und seine Emotionen zu managen auf gewisse Weise erlernbar. Eine Möglichkeit besteht darin, Achtsamkeit zu üben. Dies funktioniert am besten, wenn man die eigene Aufmerksamkeit auf die Gegenwart richtet. So ist man besser auf Stresssituationen vorbereitet und kann besser auf diese reagieren. Ein zweiter Tipp: Selbstgespräche führen. Klingt zuerst etwas merkwürdig, hat aber durchaus seine Wirkung. Selbstgespräche funktionieren nämlich wie ein Ventil für negative Emotionen. Dadurch lassen sich Emotionen, wie Wut, Trauer und Frust besser verarbeiten. Durch eine Strukturierung der Gedanken fallen Entscheidungen leichter, die man laut ausgesprochen hat. Selbstgespräche helfen sowohl Stress abzubauen, als auch Aggressionen zu reduzieren und sorgen für einen differenzierteren Blick auf die Dinge. Des Weiteren merkt man sich etwas besser, wenn man es gehört hat, als wenn man es sich lediglich gedacht hat.

Fazit

Emotionale Intelligenz ist also ein wichtiger Faktor für den Beruf, aber auch im Leben an sich. Das Erkennen und Kontrollieren der eigenen Emotionen, aber auch die Beziehung zu anderen Menschen machen diese Art der Intelligenz aus. Wichtig für Führungskräfte im Beruf, ist es ein relevantes Kriterium für Bewerbungen und Mitarbeiterbewertungen. Schließlich arbeitet man in einem Unternehmen immer auch in einer Gruppe. Dabei ist es umso wichtiger im Team zu denken und sich in diese emotional einfinden zu können, um erfolgreich zu arbeiten. Achtet man auf ein paar Details, lässt sich Emotionale Intelligenz sogar lernen und verbessern. Wer also im Beruf erfolgreich sein will, sollte diese Facette nicht außer Acht lassen.

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