Erfolgreich und effizient lernen mit Karteikarten



Wie übertrage ich Informationen aus dem Unterricht, der Vorlesung oder aus einem Buch erfolgreich ins Langzeitgedächtnis? Während es bei der Vorlesung oder beim Lesen eines Buches um den Erstkontakt mit einem Thema geht, geht es bei der Nacharbeit des Gehörten oder Gelesenen darum, die Lerninhalte so aufzubereiten, dass man sie effizient ins Langzeitgedächtnis übertragen kann. Denn es liegt leider in der Natur des Menschen, dass er vergesslich ist. Bis heute hat sich im Kampf gegen das Vergessen das Lernen mit Karteikarten als bewährteste Lernmethode durchgesetzt.

Das Karteikartensystem geht – historisch betrachtet – zurück auf die Lernkartei von Sebastian Leitner, der diese als Hilfsmittel zum systematischen Lernen erfand und erstmalig in seinem Buch „Lernen lernen“ (heutiger Titel: So lernt man lernen) vorstellte.

In diesem Artikel wollen wir Euch nun einige Infos und Tipps zum Lernen mit Karteikarten und die Arbeit mit dem Karteikastenprinzip geben.

1. Wie erstelle ich richtig Karteikarten?
Um mit Karteikarten effizient zu lernen, ist das richtige Erstellen der Karteikarten von entscheidender Bedeutung. Dass auf die Vorderseite jeder Karteikarte die Frage, auf die Rückseite die zugehörige Antwort kommt, ist noch jedem klar. Doch es gibt einige Punkte, die beim Erstellen beachtet werden sollten:

a. Fragen:
– Keine rhetorischen Fragen stellen
– Die Fragen sollten so formuliert werden, dass sie möglichst wenig Informationen preisgeben.
– Es empfiehlt sich, links oben den Kontext / das Oberthema für die Karte hinzuschreiben, z.B. Strafrecht -> Allgemeiner Teil -> Rechtfertigungsgründe. Auf diese Weise kann man sich beim späteren Wiederholen der Karteikarten orientieren und das Gedächtnis verarbeitet die Karteikarte auch in der entsprechenden Schublade.
– Falls man eine Eselsbrücke zur Hand hat, um auf die entsprechende Antwort zu kommen, empfiehlt es sich, am unteren Ende der Fragenseite der Karteikarte diese dort zu notieren.

b. Antworten:
– Ein zu langer Text, der die gesamte Antwortseite der Karteikarte füllt, sollte vermieden werden. Das Gehirn ist in der Regel nicht in der Lage, komplexe und lange Textabschnitte zu verarbeiten, also sollte man sich darauf beschränken, einige Schlüsselbegriffe zu notieren.
– Die Karteikarte sollte „merkwürdig“ gestaltet werden: Visuelle Elemente wie Bilder oder Mindmaps sind belebend, denn sie sprechen zusätzliche Sinneskanäle an. Hierdurch kann die Vergessensquote gesenkt werden.

c. Generelle Tipps:
– Selbständig Karteikarten zu erstellen hat einen größeren Lerneffekt, denn wer einmal die Informationen auf Karteikartenformat „runtergebrochen“ hat, hat diese auf jeden Fall verstanden.
– Es gibt zahlreiche vorgefertigte Karteikarten auf dem Markt. Viele von diesen sind auch nicht unbedingt schlecht. Für manche Fachgebiete sind diese auch unbedingt notwendig oder aber es ist nicht nötig, dass man diese Karteikarten noch einmal eigenständig erstellt, wie z.B. Lernkarten für Anatomie, Fremdsprachen-Vokabeln etc.
– Jedoch empfiehlt es sich, in den Bereichen, wo das selbständige Erstellen von Karteikarten sinnvoll ist, es dann auch wirklich zu tun und die Karteikarten in eigenen Worten zu erstellen.

2. Vor- und Nachteile des Lernens mit Karteikarten

Vorteile:
– Ähnlich wie beim Spickzettel-Schreiben muss man die wichtigen Inhalte auswählen und in komprimierter Form aufschreiben.
– Die Karteikarten sind handlich und transportabel. Man kann also ohne Probleme sich ein paar in die Jackentasche packen und die „toten Zeiten“ in der U-Bahn oder im Zug sinnvoll nutzen.
– Durch das Frage- und Antwortsystem bei den Karteikarten wird die Interaktion gefördert. Man wird dazu gebracht, sich wirklich zuerst eine Antwort auszudenken, bevor man die Karte umdreht, was bei einem Vokabelheft oder einem Skript nicht allzu einfach ist.

Nachteile:
– Es besteht die Gefahr, dass man die Karteikarten ohne Systematik und Zusammenhang lernt. Dann eignet man sich zwar vielleicht jede Menge Einzelwissen an, sieht am Ende aber vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Deswegen sollte man sich – wie bereits oben erwähnt – links oben kurz notieren, zu welchem Themenkomplex die Karteikarte gehört.

3. Das Karteikastensystem

a. Wie funktioniert das Karteikartensystem?
Das Karteikartensystem besteht aus einem Karteikasten mit mehreren Fächern. Anfangs liegen alle Karteikarten in der ersten Kartei. Bei richtiger Beantwortung einer Frage, wandert die Karteikarte ins nächst höhere Fach. Der zeitliche Abstand für die Wiederholung zwischen den einzelnen Fächern sollte sukzessiv größer werden. Wenn z.B. eine Karteikarten im 3. Fach falsch beantwortet wird, wandert diese Lernkarte wieder zurück ins 1. Fach und beginnt die Reise ins Langzeitgedächtnis wieder ganz von vorne.

b. Vorteile des Karteikartensystems
– Durch die Aufteilung in mehrere Karteien kann man sich schnell eine Übersicht über den aktuellen Lernstand verschaffen
– Es fällt einem leichter, sich die Lerninhalte auf Wiedervorlage zu legen, da man alles schön sortiert in seinem Karteikasten hat und nicht erst verschiedene Lernmaterialien zusammen sortieren muss.
– Der stetig wachsende Stapel der erfolgreich abgefragten Karten schafft zusätzlich eine Motivation, weil man sieht, was man schon alles geschafft hat.
– Man verschwendet viel weniger Zeit mit unnötigen Wiederholungen von Karteikarten, die bereits „sitzen“.

c. Nachteile des Karteikartensystems
– Das Lernen mit Karteikarten im Papier-Karteikasten bringt mit sich, dass nach einigen Lerndurchgängen die Karteikarten nicht mehr in der anfangs vorliegenden Reihenfolge prüfen kann.
– Wenn man während der Reise ins Langzeitgedächtnis zwischendurch eine Prüfung hat und nur gezielt, einige Karteikarten zu einem bestimmten Thema abfragen möchte, müsste man diese aussortieren. Dies kostet zum einen sehr viel Zeit, zum anderen kann man dann gleich wieder die aussortierten Karten wieder in das 1. Fach legen, weil man dann nicht mehr weiß, in welchem Fach die Karten ursprünglich waren.
– Wenn man irgendwann mehrere hundert Karteikarten erstellt hat und sich dann auf die Suche nach einer bestimmten Karteikarte begibt, gestaltet sich die Suche als sehr schwierig.
– Das Karteikartensystem erleichtert zwar die Lernorganisation in einigen Punkten, jedoch müssen die Karteikarten vom Lernenden selbst auf Wiedervorlage gelegt werden.

4. Online Karteikarten lernen mit Repetico
Mit der digitalen Lernkartei Repetico kannst Du Karteikarten online und mobil lernen. Repetico verbindet die Vorteile des Karteikartensystems mit den Vorteilen, die eine computergestützte Web- und Mobile App Plattform bieten kann:

✓ Repetico legt die Karteikarten automatisiert auf Wiedervorlage wie beim Lernkartei System und übernimmt so die Lernorganisation. Die Zeitintervalle können individuell eingestellt werden.
✓ Auch kann man im Gegensatz zu dem Papier-Karteikasten den Abfragemodus sehr flexibel wechseln. So kann man, wenn man am nächsten Tag eine Prüfung hat, sich einen bestimmten Karteikartensatz mit ALLEN seinen Karteikarten abfragen. Nach der Prüfung kann man dann wieder in den Langzeitgedächtnismodus mit dem ursprünglichen Lernstand der Karteikarten wechseln, d.h. das Online Karteikartenprogramm Repetico merkt sich den Stand der Karteikarten.
✓ Ausführliche, detaillierte Lernstatistiken zur Überprüfung des eigenen Lernerfolgs: Man sollte immer Bescheid wissen über den aktuellen Lernstand.
✓ Auch unterwegs lernen: Die digitale Lernkartei Repetico ist auch als App für iOS und Android erhältlich. Die Lerninhalte und der Lernstand können in der App mit dem Online-System synchronisiert werden.
✓ Karteikarten können in Sekundenschnelle über den Suchfilter gefunden und überarbeitet werden.
✓ Man kann Karteikarten nicht nur alleine, sondern auch in der Lerngruppe erstellen und mit anderen Leuten teilen
✓ Repetico bietet bis zu 7 verschiedene Abfragemodi, um die Lernkarten abzufragen: Lernen nach wissenschaftlich erprobten Zeitplan, zufällige Reihenfolge, schwierigste Karteikarten zuerst, noch nicht gelernte Karteikarten zuerst etc..
✓ Auch Multiple Choice Inhalte, z.B. die offiziellen Prüfungsfragen für den Sportbootführerschein können in dem Lernsystem von Repetico abgebildet werden.
✓ Freunde / Lernpartner einladen, hinzufügen und innerhalb der Online-Lernplatt E-Mails verschicken
✓ Andere Leute zu selbst erstellten oder von anderen erstellten – wenn vom Ersteller erlaubt – Lernkartensätzen zum Mitlernen und zum gemeinsamen Erstellen von Lernkarten einladen.

Dieser Artikel zum Thema „Lernen mit Karteikarten“ ist natürlich nicht abschließend. Wir würden uns freuen, wenn Ihre über Eure Erfahrungen bezüglich des Lernens mit Karteikarten berichtet. Was sind Eurer Meinung nach die Vor- und Nachteile des Lernens mit Karteikarten und des Karteikartensystems?

Bildquelle: aksel  / pixelio.de

Mobile Learning

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Wer hat das nicht schon erlebt? Man wartet auf den Bus oder die Bahn, sitzt im Wartezimmer beim Arzt oder hat lange Fahrzeiten vor sich. Dabei müsste man eigentlich viel dringender für die nächste Klausur lernen. Könnte man doch nur diese nervigen Wartezeiten sinnvoller nutzen. Mit dem Mobile Learning ist das möglich. In der heutigen Zeit sind mobile Endgeräte gar nicht mehr wegzudenken. Jedes Kleinkind ist schon früh geübt im Umgang mit dem Smartphone. In den Vorlesungssälen der Universitäten sitzen Studenten zuhauf vor ihren Tablets. Es war also nur eine Frage der Zeit bis solche mobilen Geräte auch zum Lernen eingesetzt werden. Wie Mobile Learning als sinnvolle Ergänzung im Lernprozess eingesetzt werden kann.

Definition

Die eine genaue Definition von Mobile Learning gibt es leider nicht. Auch in der Literatur existieren viele verschiedene Definitionen. Hier definieren wir Mobile Learning als Lernen mit portablen und mobilen Geräten, die überall und zu jeder Zeit genutzt werden können. Dabei unterstützt Mobile Learning die Verbreitung von Lerninhalten und fördert die Kommunikation zwischen Lernenden mittels mobiler Endgeräte und zugehöriger Anwendungen. Das Gerät ist dabei entscheidend, denn es ist durch verschiedene Schnittstellentechnologien mit der digitalen Welt verbunden, wodurch ein Datentransfer ermöglicht wird.

Zusätzlich dazu verfügen die mobilen Geräte über weitere Funktionen, wie Kameras oder Location Based Services, mit denen das Gerät mit der Umwelt interagieren kann und ortspezifische Dienste genutzt werden können. Idealerweise wird dadurch die Lernmotivation, der Lernerfolg sowie die Effizienz des Lernens gesteigert. Somit stellt Mobile Learning eine sinnvolle Erweiterung des klassischen Lernens sowie des E-Learnings dar.

Vorteile

Der größte und eindeutigste Vorteil von Mobile Learning ist eben, dass spontan an jedem Ort gelernt werden kann. So können lästige Wartezeiten sinnvoll genutzt werden und die eigene Zeit wird optimal und effizient genutzt. Man greift eben dann auf die Lerninhalte zurück, wann man sie selbst braucht. Durch die Nutzung von Mobile Learning Plattformen können die Lerninhalte personalisiert werden. So stehen Informationen auf Abruf, die auf den eigenen Bedarf und das eigene Lernziel individualisiert sind.

Des Weiteren kann Mobile Learning auch in der Interaktion zwischen Dozierenden und Studierenden oder Lernenden genutzt werden, um so eine Kommunikation zu gestalten und eventuelle Gruppenarbeit flexibler zu gestalten. Schlussendlich erlauben die mobilen Endgeräte auch eine Interaktion mit der Umgebung. So können Umgebungsinformationen in das Lernen integriert werden, beispielsweise bei Forschungsarbeiten im Labor oder einem Besuch im Museum.

Nachteile

Der Vorteil des Lernens wo immer man möchte, birgt gleichzeitig einen Nachteil. Denn diese Art des Lernens findet eben meist nur für kurze Zeit statt und ist mit Unterbrechungen durchzogen. So sind nicht alle Lerninhalte optimal für diese Art des Lernens ausgerichtet. Die Lerninhalte müssten dann speziell auf das Mobile Learning angepasst werden. Optimal ist es dabei die Lerninhalte in kleine Brocken aufzuteilen, die man leicht zwischendurch konsumieren kann.  Das Lernen mit Karteikarten lohnt sich hierbei besonders. Aus diesem Grund eignet sich das Mobile Learning nicht unbedingt für das Lernen vom komplexeren Inhalten, da hierbei Konzentration und Abstand erforderlich sind. Des Weiteren wurde festgestellt, dass bei Mobile Learning eher Information gesammelt statt verarbeitet wird.

Ein weiteres Problem stellt die Größe der mobilen Displays dar, die in vielen Fällen schlicht zu klein für längere Texte und Ausführungen sind. Deshalb müssten die Inhalte in kurze Texte, meist nur in Stichpunkten zusammengefasst werden. Zudem kann die ständige Verfügbarkeit von Informationen auch als Belastung empfunden werden. Der damit verbundene Zwang, den man sich selbst auferlegt, jede verfügbare Minute mit Lernen zu verbringen, ruft Stress hervor. Vielleicht sind Wartezeiten ab und zu ganz hilfreich um auch einmal abschalten zu können. Somit hängt es stark von den Rahmenbedingungen, den Lerninhalten und den Lernzielen ab, ob Mobile Learning sinnvoll eingesetzt werden kann.

Fazit

Mobile Learning bietet eine größere Effizienz vor allem in der Nutzung der eigenen Lernzeit. Es ist möglich immer und überall auf die eigenen Lerninhalte zuzugreifen. So werden Wartezeiten optimal genutzt. Jedoch sollte man die Inhalte auch immer darauf abstimmen, damit sie in bestmöglicher Weise genutzt werden können. Es muss dabei jedoch jeder selbst entscheiden, ob er eben die freie Zeit nutzt um auf dem Smartphone zu lernen oder es in der Tasche lässt und mal den Kopf frei vom Lernen bekommt. Die Möglichkeit zu ersterem ist durch das Mobile Learning immerhin gegeben.

Blended Learning

Bildquelle: dpa
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In der heutigen Welt werden digitale Elemente des Lernens immer bedeutender. E-Learning ist ein beliebtes und weitverbreitetes Modell des modernen Lernens. Trotz alledem sind klassische Präsenzlernmethoden immer noch am effizientesten. Eine Methode, die beide Elemente verbindet, versteckt sich hinter dem Begriff Blended Learning. Was Blended Learning genau ist und welche Vorteile daraus entstehen…

Heutzutage schwirren alle möglichen neumodischen Namen durchs Netz in Zusammenhang mit Lernen. Das sehr schick klingende Blended Learning bedeutet dabei „vermischtes Lernen“, also die Vermischung von klassischen Präsenzveranstaltungen mit internetbasiertem E-Learning. Die Idee dahinter ist einfach. Man verbindet zwei Lehr- und Lernmethoden um so die Nachteile der jeweils anderen Methode zu minimieren und die Vorteile zu maximieren. So werden Präsenzveranstaltungen wie Vorlesungen oder Seminare verbunden mit stofflich passenden Online-Angeboten, wie Aufgaben, Skripte oder Foren für den Austausch untereinander. So können auch ergänzende E-Learning-Angebote genutzt werden, um zusätzliche Hilfestellung bei Fragen und Problemen zu geben. Vor allem die Vor- sowie die Nachbereitung von Präsenzveranstaltungen können durch Online-Angebote optimal ausgestaltet werden.

Die Angebote des Blended Learning lassen sich grob in drei Kategorien einteilen. Zum Einen gibt es das selbstgesteuerte E-Learning. Dabei kann der Lernende selbst über Zeitpunkt und Geschwindigkeit des Lernens entscheiden. Er ist dabei selbständig im Lernprozess. Als Nächstes gibt es das Live E-Learning. Dabei werden Lerninhalte live aufbereitet, die der Lernende mit seinem Endgerät empfangen kann. So kann z.B. eine Vorlesung als Webcast live gestreamt werden und so Fragen an den Dozenten gestellt oder mit Kursteilnehmern kommuniziert werden. Als letztes Element bleibt noch die klassische Präsenzlehre, wie Vorlesungen, Kurse oder Seminare. Hier erhält man einen sozialen Austausch und eine face-to-face Kommunikation zwischen Lernenden und Lehrenden.

Vorteile verbinden

Der große Vorteil des Blended Learnings ist es, dass die Vorteile der einzelnen Lehrmethoden die jeweiligen Nachteile aufheben. Bei reinen E-Learning Angeboten kann schnell eine soziale Isolation entstehen. Der Lernstoff kann falsch gedeutet werden und es ist ein hohes Level an Selbstdisziplin notwendig. Diese Nachteile können von der Präsenzlehre aufgefangen werden, da dort der soziale Austausch im Vordergrund steht. Zudem erhalten sowohl Lehrende als auch Lernende unmittelbares verbales und nonverbales Feedback, auf das direkt reagiert werden kann.

Betrachtet man dagegen die reine Präsenzlehre, so erfordert diese einen hohen Koordinationsaufwand. Es sollte sichergestellt sein, dass alle Teilnehmer auf dem gleichen Wissenstand zu Anfang des Kurses stehen. Zudem ist das Lerntempo nicht individualisierbar. Diese Nachteile werden dann wiederum durch E-Learning egalisiert. So können Lernende flexibel und nach eigenen Bedürfnissen lernen, und das wo und wann sie wollen. Im Vorfeld einer Präsenzveranstaltung kann durch E-Learning-Angebote ein gemeinsames Wissenslevel erreicht werden. Darüber hinaus kann der Kontakt mit den Dozenten durch Online-Angebote verbessert werden. Dies ist vor allem bei Massenuniversitäten der Fall, in denen ein Dozent für teilweise einige hundert Studierende verantwortlich ist. Zudem zeigen verschiedene Fallstudien einen positiven Effekt auf Lernklima und Lernerfolg durch die Integration von Social Software im Blended Learning.

Blended Learning richtig einsetzen

Bei allen Vorteilen, die das Blended Learning mit sich bringt, muss jedoch auch darauf geachtet werden, dass die Lernmethoden sinnvoll integriert werden. Eine einfache Kombination aus Präsenz und E-Learning reicht nicht aus. Es muss gewissen Qualitätskriterien genügen.

So zeichnen sich gute Blended-Learning-Angebote dadurch aus, dass die verschiedenen Lernmethoden sinnvoll kombiniert werden. Dies kann dadurch geschehen, dass ein durchgängiges Curriculum etabliert wird. Die Wahl des Mediums sollte stets die Stärken der jeweiligen Lernphase zur Geltung bringen. Zudem sollte das Programm für die E-Learning Angebote dem Lernenden möglichst viel Freiraum einräumen, was vor allem Lerntempo und Lernstil angeht. Und schlussendlich sollten alle Inhalte didaktisch so aufgebaut sein, dass der Spaß am Lernen entfaltet wird.

Blended Learning ist also eine sinnvolle Maßnahme vor allem für den Einsatz in Schulen oder Universitäten. Nach dem Motto ‚das Beste aus zwei Welten‘ verbindet man die Vorteile beider Lernmethoden miteinander. So ist eine eiffiziente Lernmethode gewährleistet, die alle Eventualitäten abdeckt.

Der optimale Lernplan

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Den Lernprozess planen

Das Lernen zu lernen ist ein essentieller Bestandteil für den individuellen Lernerfolg. Wichtige Bestandteile dabei sind die Organisation des Lernens, die Informations- und Wissensaufnahme, die Verarbeitung und Speicherung der Inhalte sowie Motivation, Entspannung und Kontrolle. In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit dem ersten Punkt: der Organisation des Lernens. Wie ein Lernplan bei der Prüfungsvorbereitung hilft und wie man einen optimalen Lernplan erstellt.

Die Organisation des Lernens in Form eines Lernplans hilft dabei einen Überblick zu verschaffen und etwas Ordnung in die meist chaotischen Unterlagen zu bringen. Durch einen guten Lernplan wird die Arbeitsaufteilung deutlich klarer, indem alles zeitlich optimal aufgeführt wird. Dabei ist ein gutes Zeitmanagement gefragt. Dies bedeutet am Anfang zwar noch etwas zusätzliche Arbeit, wird sich aber im Nachhinein in jedem Fall auszahlen.

Übersicht schaffen

Am Anfang der Lernphase ist es zunächst wichtig Ordnung in das Chaos zu bringen. Mit der Zeit hat sich so einiges an Lernmaterialien aufgestaut. Nun sollte man frühzeitig (also nicht 2 Wochen vor der Prüfung) einen ersten groben Plan erstellen, der die Arbeitsaufteilung bis zur Prüfung enthält. Dabei sollten die wichtigsten Lernziele auf einen Blick festgehalten sein. Dies liefert einen guten Überblick und zeigt für welche Lerninhalte wie viel Zeit zur Verfügung steht. Wichtig dabei ist jedoch zu beachten, dass man auch immer flexibel bleibt und Luft für unvorhergesehene Arbeit mit in den Plan einbaut.

Ziele setzen

Hat man sich nun einen ersten Überblick verschafft, geht es in die Konkretisierung des Plans. Hierbei werden Wochenpläne erstellt, die konkretere Aufgaben und Ziele enthalten. Die Ziele, die man sich setzt sollten dabei realistisch und motivierend gestaltet sein. Sind die Herausforderungen, die man sich setzt, im Einklang mit den eigenen Fähigkeiten gerät man in einen sogenannten Flow-Zustand, in dem man effektiver und effizienter lernen kann. Man kann sich darüber hinaus noch Meilensteine setzen, die man zu einem bestimmten Zeitpunkt erreicht haben möchte. Zur Erreichung des Meilensteins kann man sich dann selbst belohnen mit einem schönen kühlen Eis oder ähnlichem um die Motivation hochzuhalten.

Hat man dann auch diesen Teil des Lernplans aufgestellt, geht es in die feinste Aufteilung, und zwar den Tagesplänen. Hierbei plant man einen ganzen Tag durch, der dann für die spezifische Tageszeit die gewünschten Lerninhalte sowie auch Pausen enthält. In den Pausen sollte man sich einem komplett anderen Thema widmen, um auch wieder den Kopf etwas frei zu bekommen. Ein Spaziergang, ein wenig Sport oder dem Hobby nachgehen. Das ist keine Zeitverschwendung, denn das vorher Gelernte wird in den Pausen in das Langzeitgedächtnis übertragen. Zu viel Lernen kann sogar dazu führen, dass das Gelernte nicht verinnerlicht wird. Von der Tageszeit her sind der Vormittag von 9 bis 12 Uhr sowie der Nachmittag von 14 bis 18 Uhr die normalerweise produktivsten des Tages. Darüber hinaus sollte man jedoch den Lernplan an seine eigenen Gewohnheiten anpassen.

Die Ziele, die man sich dabei pro Tag setzt, sollten so detailliert und konkret wie möglich formuliert werden. Anstatt also zu schreiben: 3 Stunden Englisch lernen wäre es besser zu schreiben: 100 Vokabeln lernen, Texte X & Y lesen. So hat man eine konkrete Aufgabeneinteilung. Eine wage und unkonkrete Zielsetzung mindert nachweislich die Motivation und es entsteht eine größere Wahrscheinlichkeit abzuschweifen.

So könnte beispielhaft ein Tagesplan aussehen:

Tageszeit Tätigkeit
08.30 – 09.00 Frühstück und Bad
09.00 – 11.30 Literaturrecherche
11.30 – 14.00 Mittagessen, kurzer Spaziergang
14.00 – 16.00 Wichtigste Literatur lesen
16.00 – 18.00 Zusammenfassen der Kernaussagen
18.00 – 22.00 Ausgehen mit Freunden

Freizeit und Erholung

Genauso wichtig wie das aktive Lernen, sind auch die Phasen der Erholung. Wie bereits erwähnt kann zu viel lernen sogar kontraproduktiv sein. Das Sozialleben sollte auch in Zeiten der Prüfungsphase nicht komplett vernachlässigt werden. Das Treffen mit Freunden, Zeit mit dem Partner, Aktivitäten beim Sport oder ein gemütlicher Abend zu Hause schüttet Glückshormone aus, mindert Stress und hält so die Energie und Motivation zum Lernen hoch. Auch eine gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf sind essentiell für den Lernerfolg. Vor allem im Schlaf werden gelernte Inhalte gefestigt und ins Langzeitgedächtnis übertragen. So sollte genügend Zeit für Freizeit und Erholung mit in den Lernplan eingebaut werden. Die Mittagszeit bietet sich an um etwas Gutes zu kochen, in Ruhe zu essen und sich vielleicht mit Mitlernenden auszutauschen. Der Abend sollte dann für Freunde, Partner oder ähnliches freigehalten werden.

Kontrolle

All das Planen und Konkretisieren bringen am Ende des Tages nichts, wenn die Ergebnisse des Lernprozesses nicht evaluiert werden können. Hat man sich an die eigens gesetzten Ziele und Vorgaben gehalten? Konnte man die Zeithorizonte einhalten? Hat man alle Lerninhalte in der Zeit unterbringen können? Feedback auf diese Fragen können äußerst motivierend wirken. Einerseits durch ein positives Gefühl, wenn man die Ziele erreicht hat. Andererseits kann ein wenig Druck auch motivierend wirken, falls man seine Ziele etwas verfehlt hat. Dabei ist ein Lernplan vor allem für diejenigen empfehlenswert, die unter Prokrastination leiden.

Fazit

Ein Lernplan bietet nun also die folgenden Vorteile

  • Verschafft Überblick und bringt Ordnung
  • Motiviert beim Lernen
  • Setzt stets Ziele vor Augen
  • Lernfortschritt kann kontrolliert werden

Somit bietet ein optimaler Lernplan einen wahrnehmbaren Mehrwert und kann so den Lernerfolg sicherstellen. Ganz nach den Worten von John ‚Hannibal‘ Smith aus dem A-Team: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.“

Gamification im Lernbereich

© gsimon818 via flickr
© gsimon818 via flickr

Spiele sind eine beliebte Freizeitbeschäftigung für viele Menschen. Man spielt mit der Familie oder Freunden und kann so abschalten und entspannen. Vor allem die Videospielverkäufe steigen seit Jahren immer weiter an. Deshalb wurde längst das Spielprinzip auf andere Bereiche übertragen, um die Vorteile des Spielens zu nutzen um Menschen anderweitig zum Lernen zu motivieren. Auf Neu-Deutsch wird das nun Gamification genannt. Wie Gamification im Lernbereich und vor allem im eLearning Anwendung findet, besprechen wir nun hier.

Gamification – eine Definition

Der Begriff Gamification beschreibt das Benutzen von spieltypischen Elementen und Prozessen, um spielfremde Prozesse (z.B. Arbeiten oder Lernen) motivierend zu gestalten. Das Ziel dabei ist eine erhöhte Motivation, Engagement und Interaktion der Nutzer zu erhalten. Die Logik dahinter basiert auf  dem Belohnungsprinzip. Belohnungen werden für Erfolge verteilt und diese motivieren zum Weitermachen. Egal ob Punkte, Fortschrittsbalken, Levelanstiege, Preise oder das Erscheinen in einem High Score. Sie erfüllen alle den gleichen Zweck: die Motivation und das Engagement der Nutzer zu steigern. Des Weiteren sorgen Spiele für körperliche Auflockerung und idealerweise für eine soziale Integration, wenn mehrere Nutzer auf die gleiche Anwendung zugreifen können. Der Wettbewerb um Anerkennung mit anderen Nutzern des Spiels treibt die Menschen weiter an. Gamification bezeichnet also nicht das Entwerfen oder Erstellen eines Spiels, sondern die Ergänzung verschiedenster Applikationen durch eine spielerische Komponente um die Anwender zu begeistern. Dabei gibt es verschiedene Bereiche, in denen Gamification  genutzt wird. So z.B. im Marketing zur Erhöhung der Kundenloyalität oder in der Weiterbildung von Mitarbeitern. Der Lernbereich ist in diesem Zusammenhang jedoch der beliebteste Anwendungsbereich für Gamification.

Warum funktioniert Gamification?

Verschiedene Studien kamen zu dem Schluss, dass Gamification tatsächlich einen positiven Einfluss besitzt. Dieser hängt jedoch stark von dem Kontext ab, in dem es genutzt wird und der Person, die die Anwendung verwendet. Vor allem im Online-Bereich eingesetzt, kann dem Anwender ein sofortiges Feedback gegeben werden. So lernt er oder sie Schritt für Schritt aus seinen Handlungen und erhält ein Gefühl von Autonomie und Kompetenz. Der auf diese Weise gelernte Stoff bleibt dem Nutzer nachhaltig im Gedächtnis. Aus diesem Grund ist Gamification ein wirksames Mittel um für das Lernen zu motivieren.

Die positiven Auswirkungen bestehen nun in einer erhöhten Motivation, einem höheren Engagement und mehr Spaß an Lerninhalten. Negativ kann dies aber ausschlagen durch einen höheren Druck im Wettbewerb mit anderen Nutzern oder der hohen Anfälligkeit zur Beeinflussung durch den Anbieter. Der soziale Druck besser zu sein als andere wird nicht von allen positiv aufgenommen. Der Anbieter eines Lernspiels kann je nach Konzept den Nutzer zu einer bestimmten Denkweise verleiten. Außerdem wird einem Anwender durch das Spielprinzip möglicherweise suggeriert nur noch durch eine extrinsische Motivation zu lernen. Die intrinsische Motivation, so behaupten einige, ginge dadurch verloren.

Des Weiteren ist noch anzumerken, dass Gamification nicht bei jeder Person gleich funktioniert. Wie bei so gut wie allem im Leben reagieren Menschen unterschiedlich auf die Reize einer spieltypischen Lernmethode. Zudem ist weniger mehr, wenn es um Gamification geht. Wird ein Anwender zu oft und zu stark von der Anwendung penetriert, verliert diese ihre motivierende Wirkung. Spieler werden abgestumpft und Belohnungen somit außer Acht gelassen. Aus diesem Grund sollten Spiele zur Lernförderung mit Bedacht eingesetzt werden.

Gamification im eLearning

Pro Jahr werden in Deutschland etwa 70 Millionen Videospiele verkauft. Die Umsätze dieser Industrie reichen heute schon über die 1 Milliarde € Marke. Prognosen schätzen den Verlauf weiter ansteigend. Darin enthalten sind Umsätze von rund 140 Millionen € für Online-Spiele und Browsergames. Durch die erhöhte Nutzung von Smartphones und Tablet-PCs verlagert sich nicht nur die Videospielbranche in den Online-Bereich, sondern auch der Lernbereich. Nun ist es interessant zu sehen, wie Gamification im eLearning angewendet werden kann.

Die Limitierung von eLearning besteht darin, dass es keine so hohe emotionale Interaktion und Engagement herstellen kann, wie ein Lehrer es persönlich könnte. Somit muss im eLearning der Nutzer durch andere Methoden stimuliert werden. Bei der Umsetzung sind 3 wichtige Elemente zu beachten: (1) Der Nutzer muss motiviert sein zu lernen und etwas anzugehen. (2) Der Nutzer muss die Fähigkeit besitzen die Aufgaben auch auszuführen und zu lösen und (3) braucht eine Art Auslöser, einen Call to action, um die Aufgabe tatsächlich spielerisch zu bewältigen. Ein Beispiel aus der Praxis wäre die Anwendung von Nike ID. Hierbei kann der Nutzer seinen Schuh individuell entwerfen und bekommt dafür Punkte zugeschrieben.

Das Prinzip der Gamification lässt sich nun auf das eLearning projizieren, indem man die Elemente auf diesen Bereich anwendet. Dabei ist es wichtig den Fokus auf verschiedene Aufgaben zu legen. Führt der Nutzer diese Aufgaben erfolgreich durch, erhält er Punkte dafür. Diese verschiedenen Auszeichnungen spiegeln sich dann im Status des Nutzers wieder. Ein ständiges Feedback über den Fortschritt erinnert den Anwender an seine Leistungen und motiviert ihn oder sie somit weiter zu lernen. Darüber hinaus ist es wichtig die Anwendung so sozial wie möglich zu gestalten. Durch eine höhere Anzahl an Nutzern steigt die Interaktion untereinander. Somit ist es auch möglich den Nutzer nicht nur für den akademischen Erfolg, sondern auch für soziales Verhalten zu belohnen. So könnte es Punkte dafür geben anderen Lernenden zu helfen, bei Fragen zu kommentieren oder Lernstoffe hinzuzufügen und zu teilen.

Hat man nun solch eine Anwendung eingerichtet, lässt es sich online noch sehr gut analysieren. Verschiedene Metriken helfen dabei den Erfolg und die Motivation der Nutzer zu messen. Sieht man sich die Seitenaufrufe pro Besucher, die Zeit, die auf der Seite verbracht wird, die Häufigkeit der Besuche oder die Partizipation der Nutzer an, lässt sich analysieren, ob die Anwendung tatsächlich erfolgreich zum Lernerfolg beiträgt.

Gamification – eine sinnvolle Ergänzung für (digitales) Lernen

Egal ob Schüler, Student, Auszubildender oder bereits Angestellter. Jeder Mensch muss sich weiterbilden und lernen. Viele tun sich jedoch schwer damit. Sie befassen sich in ihrer Freizeit lieber mit Spielen, denn die machen nun mal Spaß. Mit dem Prinzip der Gamification lassen sich aber die spielerischen Elemente mit den Lerninhalten verbinden. Setzt man es mit Bedacht ein, ist dies eine sinnvolle Methode das Lernen interessanter und spannender zu gestalten. Gamification hilft dabei die Motivation zum Lernen zu steigern und aufgrund des Feedbacks stimulierter zu lernen. Das eigene Engagement ist dabei ein sehr wichtiger Treiber. Let’s play!

Gelernt und Vergessen – Ebbinghaus klärt auf

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Vergessenskurve, © Rdb, Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Kennt ihr das auch? Ihr hört gerade Musik und euch fällt auf, dass ihr ganze Songtexte von vor 15 Jahren auswendig mitsingen könnt. Ihr sitzt auf dem Sofa und könnt ganze Passagen eurer Lieblingsfilme mitsprechen. Ihr kommt abends nach Hause und überlegt was jetzt eigentlich in den Vorlesungen des Tages dran kam. Und ihr erinnert euch nicht mehr an alles! Eine Woche später könnt ihr kaum noch sagen, was der Professor erzählt hat. Wie kann es sein, dass man schon eine Stunde nach einer Vorlesung die Hälfte des Stoffs vergessen hat? Leider werden die meisten von uns am Ende des Tages aber nicht für das Vorsingen der Lieblingssongs bezahlt. Warum bleibt also das eine länger im Gedächtnis als das andere?

Die Antwort dafür brachte ein Mann schon vor 130 Jahren. Viele Forscher haben auf seinen Ergebnissen aufgebaut. Hier ist die Geschichte des Mannes, der sich dem Mechanismus des Vergessens widmete.

Vergessenskurve nach Ebbinghaus

Vergangene Zeit Anteil des Gelernten im Gedächtnis
20 Minuten 60%
60 Minuten 45%
24 Stunden 34%
6 Tage 23%
dauerhaft 15%

Der Psychologe Herrmann Ebbinghaus führte 1885 eine Studie durch um die Zeiträume zu ergründen, nach denen wir Inhalte vergessen. Diese Studie brachte hervor, dass wir bereits nach 20 Minuten 40% des Gelernten wieder vergessen haben. Mit zunehmender Zeit vergisst man natürlich immer mehr, jedoch lässt das Vergessen mit der Zeit nach. So können wir uns nach einer Stunde zumindest noch an 45% des Erlernten erinnern. Nach einem Tag bleibt nur noch ein Drittel hängen und nach einer Woche sind weniger als ein Viertel des Gelernten bekannt.  Herr Ebbinghaus hat dies durch Selbstversuche herausgefunden, indem er inhaltslose Wörter und Sätze auswendig lernte. Dazu gehörten Silben wie „bap“, „lue“ oder „kop“. Nach einer bestimmten Frist versuchte er dieses Erlernte wiederzugeben. Schon nach kurzer Zeit fiel ihm auf, dass er sich nur noch an einen Bruchteil dessen korrekt erinnern konnte.

Hier erntet er jedoch auch Kritik, da seine Studien nur auf das Lernen zusammenhangloser Begriffe ausgelegt waren. Generell lässt sich sagen, dass gängige Wortzusammensetzungen besser im Gedächtnis verbleiben als zufällig zusammengesetzte Silben. So kam eine andere Studie von Christian Michel und Felix Novak zu dem Ergebnis, dass Prinzipien und Gesetzmäßigkeiten nach 30 Tagen erst zu 5% vergessen sind. Gedichte und Prosa bleiben zu 50% bzw. 40% im Gedächtnis. Trotz der an Ebbinghaus verrichteten Kritik sind seine Forschungen immer noch absolute Grundlagen in der Gedächtnisforschung. Somit wird er auch als ein Pionier auf diesem Gebiet angesehen.

Einige Faktoren mildern die Steigung der Vergessenskurve ab. Dazu gehören der thematische Kontext, Fähigkeiten, Talent und Interesse sowie der Lernkontext. Effektiv gegen das Vergessen sind diese jedoch alle nicht.

Wege effektiver zu lernen

Was hilft nun tatsächlich dabei erlernte Sachverhalte länger im Gedächtnis zu behalten? Durch vermehrtes Gedächtnistraining lässt sich gegen zu starkes Vergessen ankämpfen.

Generell bleiben Lernstoffe besser hängen, wenn sie klar und prägnant sind. Sind die Lerninhalte zu umfangreich verlieren wir den Überblick und können uns Zusammenhänge und Details schwerer merken. Auch das sog. „Mindmapping“, das von Tony Buzan entwickelt wurde, hilft dabei Erlerntes länger im Gedächtnis zu behalten. Dabei sollen im Lernprozess die Gehirnhälften miteinander verbunden werden. Dies geschieht besonders gut, wenn durch Kennwörter, Farben und Bilder eine visuelle Unterstützung stattfindet.

Die beste Form erlernte Stoffe dauerhaft zu behalten, besteht aber darin diese ständig zu wiederholen. Denn die Wiederholung ist die Mutter des Studierens. Durch ständiges Üben bleiben die Nervenverbindungen im Gehirn dauerhaft bestehen. Die Vergessenskurve wird durch das ständige Verknüpfen und Üben somit positiv beeinflusst. Die Wiederholung ermöglicht es die Lerninhalte ins Langzeitgedächtnis zu bringen.

Doch aufgepasst: Wiederholen ist nicht gleich wiederholen! Mit massierten Wiederholungen im Anschluss an eine Lernphase können wir die Vergessenskurve nicht überlisten. Wer sich also erst kurz vor Klausuren und Prüfungen hinsetzt und alle Stoffe dauerhaft wiederholt, erzielt keinen langfristigen Lernerfolg. Besser ist es einen Stoff so zu lernen, dass wir ihn gerade beherrschen. Danach legt man ihn am besten zur Seite. Nach geeigneter Zeit wird das Erlernte wieder hervorgeholt um es wieder auf das 100%-Niveau zu bringen. Führt man diese Schritte mehrmals durch verflacht sich die Vergessenskurve und das Erlernte bleibt länger im Gedächtnis. Eine gute Methode Lernstoffe durch häufiges Wiederholen besser ins Gedächtnis zu bringen, sind Karteikarten.

Keine Angst vor dem Vergessen

Das Vergessen wichtiger Lernstoffe ist ein wichtiges Thema für jeden Menschen. Dabei steht nicht nur das Bestehen der Klausur im Vordergrund, sondern geht auch darüber hinaus. Bleiben wichtige Lerninhalte dauerhaft in unserem Gedächtnis, haben wir es auch im Beruf mal leichter. Macht euch also keine allzu großen Gedanken darüber warum Songtexte besser bei uns haften bleiben als die letzte Vorlesung. Es hängt alles nur an der Wiederholung. Geht man einen Stoff oft genug durch, bleiben die Inhalte auch über die Klausur hinaus hängen. Schluss also mit „Bulimie-Lernen“ und „Procrastinating“! Der Weg zum Erfolg führt über ständiges Wiederholen mit angemessenen Pausen dazwischen.

Und zum Schluss könnt ihr euer eigenes Experiment durchführen. Versucht in einer Stunde nochmal die Inhalte dieses Artikels wieder zu geben. Ihr kriegt es nicht mehr 100% zusammen? Kein Problem! Der Artikel ist hier im Blog schließlich noch lange abrufbar.

Gedächtnispalast

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Gedächtnispalast

Wir betreten ein großes Gebäude. Nach dem Flur gehen wir direkt in das erste Zimmer rechts von uns. Dort sehen wir in drei Reihen jeweils sieben, acht und neun Franzosen mit Baskenmützen und Baguette, die miteinander kämpfen. Durch dieses auf den ersten Blick abstruse Bild, erinnern wir uns, dass die Französische Revolution 1789 begann. So funktioniert beispielhaft die fortgeschrittene Mnemotechnik namens Gedächtnis- oder Gedankenpalast. Eine Methode zum Abspeichern und Abrufen von Informationen. Eine Methode zum Auswendiglernen und zum Trainieren des Gedächtnisses. Wie das Konzept des Gedächtnispalasts funktioniert, erfahrt ihr hier.

Die Technik sich bestimmte Informationen zu merken, indem man sie mit bestimmten Orten verknüpft ist nicht neu. Bereits die Rhetoriker im antiken Griechenland und Rom haben sich der Routen-Methode bedient um lange Reden flüssig aus dem Gedächtnis abrufen zu können. Dabei erstellten sie geistig eine Route, an deren markanten Orten Schlüsselworte verknüpft wurden.

Loci-Methode

Diese sogenannte Loci-Methode bildet den Ursprung und die Basis des Gedächtnispalasts. Dabei werden Orte und Objekte mit Lerninhalten verknüpft. Man sucht sich eine reale Route aus oder erstellt eine in seinem Kopf. Muss man die Informationen dann abrufen, geht man diese Route im Geist ab und stellt die Verbindung zwischen Ort und Inhalt her. Somit lassen sich Informationen besser merken.

Die Methode des Gedächtnispalasts arbeitet ähnlich, nur dass man hierbei nun keine Route festlegt, sondern sich ein Konstrukt in Gebäudeform festigt, das dann mit passenden Informationen gefüllt wird. Somit kann der Gedächtnispalast als eine Weiterentwicklung der Loci-Methode betrachtet werden.

Einen Palast bauen

Ein geistiges Konstrukt angefüllt mit Informationen zu erstellen, stellt eine fortgeschrittene Form der Gedächtnistechnik dar, weshalb man sich erst daran gewöhnen muss. Außerdem ist eine gute Vorstellungskraft dafür von Nöten. Am Anfang empfiehlt es sich nicht direkt mit einem Palast, sondern mit etwas Kleinerem zu beginnen. Dabei kann jedes erdenkliche Konstrukt verwendet werden: ein Haus, eine Garage, eine Hütte im Wald etc. In dem Gebäude gibt es dann verschiedene Plätze oder auch Loci, an denen das Wissen abgelegt werden kann. Um dies tun zu können, müssen die Lerninhalte vorher verbildlicht werden. Die Informationen werden dann assoziativ mit dem Ort, an dem sie „gelagert“ sind, verknüpft. Um es sich besser zu merken sind besonders lebhafte und emotionale Bilder von Vorteil. Genau wie bei anderen Lerntechniken sollten die abgelegten Informationen öfters wiederholt werden, also der Gedächtnispalast öfters besucht werden. Ist dies getan, kann das Gebäude stetig erweitert werden, sodass es mit der Zeit von allein zu einem Palast wächst.

Ihr könnt euch darunter noch nichts genaues vorstellen? Kein Problem, an einem kleinen Beispiel wird es deutlicher. Ihr lernt für eine Juraprüfung und baut euch deshalb ein Haus. An der Vordertür prangt ein großes eingeschnitztes Paragraphen-Zeichen (§), damit ihr wisst: Hier geht es um Recht. Für das Strafrecht konstruiert ihr ein Zimmer mit einer großen Zelle mit Eisengittern mitten im Raum. Hier legt ihr dann alle möglichen Details für das Strafrecht ab. Ein anderes Zimmer beinhaltet Elemente des Steuerrechts, und darin sitzt Angela Merkel und badet wie Dagobert Duck in den Steuergeldern. Sind die Bilder abstrus, lassen sie sich tendenziell besser merken.

Diese Mnemotechnik eignet sich also hervorragend für das Speichern und Abrufen von Informationen, die in einem linearen Rahmen angesiedelt sind und sich gut verbildlichen lassen. Für andere, etwas komplexere Gedankenspiele und Wissensgebiete könnte es weniger hilfreich sein. Trotzdem ist der Gedankenpalast, gesehen als eine enorme Eselsbrücke, ein Bild für das bewusst gelernte Faktenwissen. Wenn man das Gebäude bewusst entstehen lässt und sich mehrfach vor Augen führt, lassen sich gelernte Inhalte leicht verinnerlichen.

Referenzen in der Popkultur

Der Gedächtnispalast existiert nicht nur als spröde Theorie, sondern fand bereits prominente Erwähnung in der heutigen Popkultur. Das berühmteste Beispiel liefert dabei die fiktive Figur des Detektivs Sherlock Holmes. Sein Schöpfer Arthur Conan Doyle beschrieb die Technik des Gedächtnispalastes bei Holmes, der sich dadurch enorm viele Informationen speichern konnte. Auch in der modernen TV-Serie mit Benedict Cumberbatch wird das Prinzip des Gedächtnispalasts visualisiert. Eine andere bekannte Romanfigur, die diese Gedächtnistechnik anwendet, ist der von Thomas Harris erfundene Therapeut Dr. Hannibal Lecter. Dieser nutzt in den Romanvorlagen den Gedankenpalast neben der Gedächtnisfunktion auch zur Entspannung und zur Überbrückung eintöniger Zeiten, wie z.B. eines langen Fluges.

Die Methode des Gedächtnispalastes ist keine einfache Technik, doch mit Übung kann sie zu einem sehr hilfreichen Instrument zum Abrufen von Informationen werden. Zudem fördert es durch Phantasie und Vorstellungskraft die Hirnleistung an sich. Hat man einmal ein funktionierendes Konstrukt erschaffen, sind die Erweiterungsmöglichkeiten schier grenzenlos.

Wie manage ich meine Zeit am besten?

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Zeit optimal managen

Tempus fugit. Dieses lateinische Sprichwort fasst zusammen, was seit Anbeginn Realität ist und die Menschen seit Tausenden Jahren begreifen: die Zeit flieht und vergeht. Zeit ist eine Ressource, die für alle Menschen gleichermaßen vorhanden ist und die man nicht speichern oder erwerben kann. Die Zeit ist für alle gleich. Trotzdem scheinen manche Menschen besser mit der ihnen zur Verfügung stehenden Zeit zurecht zu kommen als andere. Ihnen läuft die Zeit davon. Der Tag hat nicht genügend Stunden um die anstehenden Aufgaben zu bewältigen. Dabei ist Zeitmanagement etwas, das man lernen und verbessern kann. Damit man auch Zeit für die wichtigen Dinge im Leben hat!

Was ist Zeitmanagement?

Viele Experten ärgern sich an dem Namen Zeitmanagement. Denn die Zeit lässt sich nun mal nicht managen. Ein Tag hat immer 24 Stunden, egal wie sehr man dies zu managen versucht. Dabei beschreibt Zeitmanagement die effektive und effiziente Nutzung der Zeit, die einem zu Verfügung steht. Aus diesem Grund bevorzugen Einige den Namen Selbstmanagement. Doch egal, wie man es nennt, es beinhaltet stets die gleichen Prinzipien. Zeitmanagement bedeutet dabei den eigenen Arbeitsalltag, aber auch die Freizeit, bewusst in die Hand zu nehmen und so zu strukturieren, dass anstehende Aufgaben und Termine innerhalb des zur Verfügung stehenden Zeitraums bewältigt werden.

Wichtige Inhalte des Zeitmanagements sind dabei Planung, Organisation, Motivation und Zielsetzung. Konkret umfasst Zeitmanagement folgende Punkte:

  • Sich Ziele setzen
  • Sich selbst organisieren
  • Sich einen Überblick über die Aufgaben machen
  • Seine Aufgaben zu planen
  • Zu Priorisieren
  • Und die eigene Motivation beizubehalten.

Im Kern bedeutet es also bessere Entscheidungen zu treffen. Dabei ist jedoch nicht jeder Mensch gleich empfänglich für Zeitmanagement. Einige brauchen die Spontanität und die Flexibilität. Was jedoch nicht heißt, dass man sich beim Zeitmanagement strikt an die eigene Planung halten muss. Im Grunde ist es ein iterativer Prozess, in dem man sich stets fragen sollte: „Bringt mich das, was ich zurzeit tue, meinen Zielen näher?“ Sollten Sie diese Frage einmal verneinen, verschwenden Sie Ihre Zeit für unwichtige Aufgaben.

Bevor wir näher in die Methoden und Möglichkeiten eintauchen, wie Zeitmanagement betrieben werden kann, schauen wir uns an warum wir überhaupt in Zeitbedrängnis geraten.

Gründe für Zeitbedrängnis

Neben dem offensichtlichen Aspekt, dass Zeit nun mal begrenzt ist, gibt es weitere Gründe warum wir in Zeitnot geraten. Diese Aspekte sind dann durch Eigenverschulden zustande gekommen. Das Gute daran ist jedoch, dass dies auch durch eigenes Zutun wieder behoben werden kann. Hier also die prominentesten Gründe für Zeitbedrängnis.

Unklare Prioritätensetzung

Ein weitverbreiteter Fehler besteht darin die eigenen Prioritäten falsch zu setzen. Gute Zeitmanager müssen herausfinden was relevant ist und was nicht. Wichtig dabei ist wiederum was zum Erreichen der eigengesetzten Ziele von Bedeutung ist. Schafft man es nicht die richtigen Prioritäten zu setzen, begibt man sich in eine Abwärtsspirale. Eigentlich wichtige Dinge werden liegen gelassen und nicht bearbeitet. Dadurch gerät man in noch größere Zeitbedrängnis.

Mangelnde & schlechte Kommunikation

Im Arbeitsalltag ist eine gute Kommunikation erforderlich um die Arbeit erfolgreich zu bestreiten. Bleibt die Kommunikation auf der Strecke werden unwichtige Aufgaben bearbeitet oder nicht wie erfordert ausgeführt. Dies führt weiterhin zu schlechtem Zeitmanagement und somit zu unnötiger Zeitnot.

Schlechte Planung

Eine gute Planung kann die Effektivität und Effizienz mit der Aufgaben erledigt werden, grundlegend verbessern. So nimmt die Planung an sich zwar auch schon eine gewisse Zeit in Anspruch, die Zeit die man dadurch jedoch spart, rechtfertigt dies aber durchaus. Durch eine gute Planung erhält man einen Überblick und kann dadurch die eigene Zeit besser managen.

Individuelle Aspekte

Zu guter Letzt sind die eigenen Unzulänglichkeiten aber auch Teil schlechten Zeitmanagements. Eine chaotische Arbeitsweise, Vergesslichkeit oder der Hang zu Prokrastination erschweren eine effektive Arbeitsweise noch weiter.

Methoden und Strategien

Kommen wir nun zu Methoden und Strategien, wie gutes Zeitmanagement betrieben werden kann. Die zentrale Frage dabei lautet stets:  „Bringt mich das, was ich tue, meinen Zielen näher?“ Somit ist es zuallererst wichtig eigene Ziele zu formulieren. Diese Ziele sollten im Idealfall SMART sein, das bedeutet spezifisch, messbar, anspornend, realistisch und terminierbar. Zu den weiteren Strategien gehört es die Aufgaben zu priorisieren, also nach Wichtigkeit und Dringlichkeit zu sortieren und abzuarbeiten. Des Weiteren sollten große Aufgaben in kleine Teilaufgaben aufgespalten werden und bestimmte Arbeiten an Andere abgegeben (delegiert) werden, soweit dies möglich ist. Dies alles sollte in einem Tagesplan zusammengefasst werden, der sämtliche Aufgaben enthält, aber auch Zeit für spontan anfallende Arbeiten beinhaltet. Darüber hinaus ist es essenziell auch Pausen und freie Zeit in den Tagesplan mit einzubeziehen. Eine gewisse Erholung von der Arbeit wie Sport oder Treffen mit Freunden helfen den Kopf frei zu kriegen und danach die Arbeit wieder motiviert angehen zu können. Arbeit allein ist auf Dauer schädlich für den Menschen und senkt so die Produktivität des Individuums.

Von den Methoden zum Zeitmanagement ist die To-Do-Liste wohl die bekannteste. Das Aufschreiben von Aufgaben hilft die Gedanken zu ordnen und sich so auf die jeweilige Aufgabe zu konzentrieren. Das Streichen der Aufgaben hebt darüber hinaus die Motivation für die anstehende Arbeit. Dabei sollte stets die schwierigste Aufgabe zuerst bearbeitet werden. Alles danach wird dann umso einfacher erscheinen. Nicht ganz so bekannt, aber von ähnlichem Prinzip ist die Not-To-Do-Liste. Hierbei schreibt man sich alle Aktivitäten auf, die man heute nicht angehen sollte. Dazu gehören Dinge wie das Checken der sozialen Netzwerke oder private E-Mails zu lesen. Somit sollen Zeitdiebe und Ablenkungen eliminiert werden.

Die Getting Things Done Methode von David Allen greift die Priorisierung der Aufgaben auf. Demnach sollen alle Aufgaben erfasst und nach ihrer Dringlichkeit sortiert werden. Sehr wichtige Aufgaben, die jedoch mit wenig Arbeitsaufwand verbunden sind, wie das Schreiben einer wichtigen Mail, sollten sofort erledigt werden. Danach hat man Zeit sich der wichtigen Aufgaben anzunehmen. So wird auch der wichtige Kleinkram nicht vergessen.

In eine ähnliche Richtung geht auch das Prinzip der Eisenhower-Matrix. Diese 4-Felder-Matrix ordnet Aufgaben nach Wichtigkeit und Dringlichkeit. So entstehen vier Aufgabenformen: dringend und wichtig, dringend aber nicht wichtig, wichtig aber nicht dringend und weder wichtig noch dringend. Die Aufgaben der letzten Gruppe können vernachlässigt werden. Die Aufgaben aus dem ersten Bereich haben oberste Priorität und sollten zuerst erledigt werden. Die dringenden, aber nicht wichtigen Aufgaben können delegiert werden.

Eine Einteilung der Aufgaben wird auch in der ABC-Methode vorgenommen. Hierbei werden die Arbeiten kategorisiert. A-Aufgaben sind sehr wichtig und sollten sofort erledigt werden. B-Aufgaben sind weniger wichtig und sollten später erledigt oder delegiert werden. C-Aufgaben hingegen sind kaum wichtig und können daher delegiert oder sogar verworfen werden.

Wichtig bei allen Zeitmanagement-Methoden ist jedoch auch, dass diese nicht mehr Arbeit machen sollen als die Arbeit selbst. So sollten diese Methoden je nach Typ und Tagesform individuell angewendet werden.

Kontrolle

Hat man nun alle Methoden eingesetzt und die Grundprinzipien befolgt, ist es daran die Ergebnisse zu kontrollieren. Dabei ist wieder die wichtige Frage ob die Ziele eingehalten und erreicht wurden. Entdeckt man jedoch noch Verbesserungspotenzial und etwaige Missstände sollten Korrekturmaßnahmen ergriffen werden. So kann mit jeder neuen Aufgabe, die dazukommt geklärt werden, wie diese in den Plan integriert wird. Somit sollte man sich ständig fragen, ob die anstehenden Tätigkeiten nach Priorität geordnet sind. Wurden kleinere Aufgaben zu Blöcken zusammengefasst? Wurden Störfaktoren und Zeitdiebe eliminiert? So betreibt man stetig Zeitmanagement und teilt sich seine Zeit effektiv und effizient ein.

Bei all der Arbeit sollten jedoch die anderen Lebensbereiche nicht vernachlässigt werden. Der Umgang mit Freunden und die Einbindung in ein soziales Netzwerk helfen einem Individuum stressresistenter zu werden und helfen somit indirekt wiederum die Arbeit besser erledigen zu können. Aber auch die Zeit für sich selbst sollte in den Zeitplan integriert werden.

Es kann also mit ein paar klugen Methoden und der richtigen Herangehensweise ein solides Zeitmanagement betrieben werden. Dadurch erledigt man Aufgaben effektiver und effizienter und gerät nicht mehr so leicht in Zeitnot. Auch für das Lernen für Prüfungen ist Zeitmanagement ein wichtiger Aspekt um erfolgreich zu sein. Die Zeit vergeht und scheint manchmal zu fliehen. Doch wir können selbst entscheiden, wie wir diese Zeit nutzen. Tempus fugit.

Lerntips und Lerntechniken fürs Medizinstudium

Helen K., Medizinstudentin an der Universität Mainz, teilt mit uns Ihren Erfahrungsbericht zum Thema „Lernen lernen“ aus der Perspektive einer Medizinstudentin

Jeder Student (sei man nun Erstsemestler oder kurz vor der Abschlussprüfung) findet sich früher oder später vor einem scheinbar unüberwindbar riesigen Lernberg. Der Gipfel ist deutlich sichtbar, der Weg dorthin jedoch genauso schleierhaft wie die Frage „Wo fange ich bloß an?“. Vor allem im Studiengang Humanmedizin, in dem nicht nur die Lerninhalte, sondern auch die dafür angebotenen Hilfsmittel und Lerntechniken meist vielfältiger sind als einem angesichts der bevorstehenden Prüfung lieb ist, ist ein effektives Lernkonzept anzuraten. Natürlich gibt es keinen perfekt zugeschnittenen Masterplan zum Erfolg, da jeder Student einen individuellen „Hintergrund“ mit sich bringt und jede Uni bzw. jeder Dozent was anderes will. Trotzdem lassen sich einige Lernstrategien im Allgemeinen ganz gut anwenden.

Im Medizinstudium sind Lehrbücher unumgänglich, so unattraktiv manch dicker Wälzer auch erscheinen mag. (Zumindest habe ich noch keinen gesehen, der allein mit Vorlesungsfolien und Skript auskommt.) Dabei sollte man vorher überlegen:

  1. Welche Bücher gehören zur „Pflichtlektüre“? Manche Dozenten geben zu Beginn des Semesters Literaturtipps, wobei man am besten bei den Vorgängern nachfragen sollte, ob diese wirklich sinnvoll sind. Denn nicht selten wurden Bücher von fast 1000 Seiten für 70-80€ angepriesen, die dann eher zur Dekoration im Regal standen. Andere Bücher hingegen haben sich schon über Jahrzehnte als gute Studienbegleiter bewährt und werden gerne von den Dozenten selbst in den Vorlesungen immer wieder genutzt, wie z.B. die drei Prometheus-Anatomie-Atlanten vom Verlag Thieme.
  2. Mit welchem Konzept kann ich am besten lernen? Der eine arbeitet lieber mit Texten, der andere kann sich mit farblichen Darstellungen und Schaubildern eher anfreunden. Mir persönlich hat z.B. das Konzept der „Dualen Reihe“ sehr geholfen. Diese Bücher sind umfangreich, aber übersichtlich gegliedert, bebildert und enthalten neben dem Fließtext eine Randspalte mit den wichtigsten Stichpunkten, die man z.B. bei Zeitnot schnell überfliegen kann. Merksätze, Synonyme, Definitionen und klinische Bezüge sind in Kästen hervorgehoben und zusammenfassende Tabellen erleichtern den Überblick.
  3. Sind alle Informationen enthalten? „Besser zu viel als zu wenig“ gilt hier nicht unbedingt. In einigen Fächern war doch tatsächlich ein Kurzlehrbuch ausreichend. Über das Inhaltsverzeichnis kann man sich vergewissern, ob die wichtigsten Themen abgedeckt sind. Hilfreich ist es auch, nach speziellen Begriffen im Sachregister zu schauen oder ein Kapitel in den verschiedenen Lehrbüchern zu vergleichen.
  4. Woher bekomme ich die Bücher? Gerade wenn das Budget knapp ist, neigen Lernende dazu, an den falschen Ecken zu sparen. Leider bietet die Unibibliothek nicht alles, was das Studentenherz an Literatur begehrt. Wenn man zu den frühen Vögeln gehört, ist es dennoch zumindest den Versuch wert, sich durch den Bücherdschungel der Unibib zu kämpfen. Der Rest muss sich die Bücher woanders besorgen. Günstige Alternativen sind: gebrauchte Bücher auf Internetseiten wie amazon, ebay, booklooker.de, semesterbooks.de etc., oder auch von Vorgängern (z.B. gibt es in Mainz den „Bücherbasar für Mediziner“). Dabei sollte man darauf achten, eine möglichst neue Auflage zu kaufen.

Lerntechniken für das Medizinstudium 

Weitere Lerntechniken reichen von selbstgebastelten Modellen über Lernkarten bis hin zu 3D Apps. Klar ist: Je mehr Gehirnareale beim Lernen beansprucht werden, sprich je mehr Sinne am Lernen beteiligt sind, desto länger bleibt das Gelernte im Gedächtnis. Doch besteht die Gefahr, dass man vieles ausprobiert und nichts durchzieht oder sich ablenken lässt. Man sollte sich also fest für die Methoden entscheiden, die am besten funktionieren.

Lernen in der Gruppe

Wer bei persönlicher Interaktion mehr mitnimmt, kann eine Lerngruppe bilden oder einem Tutorium beitreten; im Fach Anatomie haben wir uns z.B. gegenseitig an Modellen, Schnitten oder den Leichen abgefragt und am Whiteboard komplexere Themen erklärt.

Lernen mit Videos

Wer bevorzugt mit elektronischen Medien arbeitet, kann sich nach Lernvideos umschauen. So stellt die Seite khanacademy.org viele kostenlose englische Tutorials zur Verfügung, nicht nur für den Fachbereich Medizin, sondern auch für viele andere Wissenschaften. Gerade weil sie sehr anschaulich, simple und einprägsam ist, wurde diese Lehrmethode von vielen Youtubern übernommen, sodass man auch auf der Videoplattform einiges an guten Lernvideos findet.

Lernen mit Karteikarten

Wer gerne mit Karteikarten arbeitet, ist mit Repetico bestens bedient. Insbesondere im Fach Medizinsche Terminologie ist es praktisch, die Vokabeln und Definitionen abzutippen und dann in beliebiger Reihenfolge zu wiederholen. Man kann die Lernkarten schnell verschiedenen Kategorien zuordnen, durch Abbildungen ergänzen und jederzeit nachkorrigieren (was bei Karteikarten auf Papier dagegen ziemlich mühsam und umständlich sein kann). Bei 800 Begriffen spart man mit Repetico deutlich an Zeit und Nerven, es geht keine Karte verloren und man muss keine Stapel mit sich herumschleppen. Zudem werden von Repetico bereits vorgefertigte Lernkartensätze angeboten, die von entsprechenden Verlagen erstellt wurden. Im medizinischen Bereich ist derzeit vom Verlag Elsevier ein Kartensatz für Anatomie und Physiologie verfügbar. Weitere Informationen zum Lernen mit Karteikarten findet ihr hier.

Zeitmanagement

Hat man nun die Werkzeuge gesammelt, gilt es, sie auf effektivste Weise zu nutzen. Man kann es sicher nicht oft genug sagen: Das A und O für’s Studium ist Zeitmanagement. In gewissen Fächern kann man einfach nicht genug, geschweige denn alles wissen. Hier gibt es Fallen, in die viele gleich am Anfang tappen: Selbstüberschätzung und Unterschätzung der Lernmasse. Gegenmittel: Realistische Ziele setzen, Pläne entwerfen, rechzeitig anfangen und dran bleiben!

Elaboratives Lernen

Elaboratives Lernen
Elaboratives Lernen

Es ist mal wieder diese Zeit des Jahres. Schüler schreiben ihre letzten Klausuren vor den Sommerferien und für die Studenten stehen die Abschlussklausuren des Semesters an. Es ist Prüfungsphase! Und wie jedes Mal in dieser Zeit fangen Studenten wieder viel zu spät an zu lernen und versuchen sich all das Wissen in kurzer Zeit einzutrichtern. Auswendiglernen lautet meist die gewählte Formel zum vermeintlichen Erfolg. Dass diese Methode jedoch meist schlecht gewählt ist, bestätigen viele Experten. Wie man besser lernt, zeigt das sogenannte elaborative Lernen.

Im Laufe des Semesters oder des Schuljahres kommt so einiges an Lernstoff zusammen. Um Ordnung und Überblick zu bekommen, muss daher erst einmal vereinfacht und aussortiert werden. Bei dieser reduktiven Variante wird der Inhalt auf das Wesentliche verkürzt. Das elaborative Lernen geht darüber hinaus. Denn bei dieser Lernform wird das neue Wissen mit dem bereits vorhandenen Vorwissen verknüpft. So soll der Inhalt besser verankert im Gedächtnis verankert werden. Um den Lernerfolg sicherzustellen, muss der Lernstoff gelesen und gleichzeitig verstanden werden, so der Lernforscher Andreas Gold am Institut für Pädagogische Psychologie der Universität Frankfurt am Main. Doch wie macht man das am besten?

Techniken des elaborativen Lernens

Eine der wichtigsten „Techniken“ beim elaborativen Lernen ist den Lernstoff in eigenen Worten widerzugeben. So sollten keine einzelnen Merksätze oder Auflistungen aus den Materialien wortwörtlich übertragen und gelernt werden. Sich die Inhalte in eigenen Worten aufzuschreiben hilft dabei, sich diese besser zu merken und man stellt fest, ob man die Inhalte auch richtig verstanden hat. Elaborativ lernen bedeutet aber auch Fragen an den Text oder die Materialien zu stellen und sich kritisch mit diesen auseinander zu setzen. Sich zu fragen warum das eben Gelernte gerade so ist oder warum diese Aussage zutrifft, sei die beste Methode, um gerade Erlerntes im Gedächtnis zu behalten, behauptet Frank Fischer, Professor für Pädagogische Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Weitere effiziente Methoden bestehen darin, das Gelernte einem Laien in einfachen Worten zu erklären, die gelernten Inhalte auf eigene Erfahrungen zu beziehen, die Inhalte zu visualisieren und sie sich bildhaft vorzustellen oder Analogien zum Lernstoff zu finden. Einen eher ungewöhnlichen Tipp hält die Psychologin Helga Knigge-Illner parat. Sie sagt: „Halten Sie doch einfach einmal eine flammende Lobrede auf eine Theorie, die Sie gerade lernen müssen.“

Die Theorie dahinter

Die Theorie der Elaborations- oder Verarbeitungsebenen aus der Gedächtnispsychologie wurde 1972 von Craik und Lockhart verfasst. Diese besagt, dass Menschen Informationen umso besser behalten können, je tiefer sie diese bei der Enkodierung verarbeitet haben. Die Verarbeitung dessen ist umso tiefer, je mehr Bezüge und Verbindungen zum eigenen Vorwissen knüpft und je mehr eigene Gedanken man zum Lernen hinzufügt. So wäre es am Vorteilhaftesten bereits beim Mitschreiben im Unterricht oder der Vorlesung zu elaborieren, um das aufgenommene Wissen bestmöglich einzuprägen.

Wenn immer wir etwas in eigenen Worten erklären, müssen wir uns konzentrieren. Das hilft dabei sich die Inhalte ins Gedächtnis zu übertragen. Die Gefahr dabei bereits vorformulierte Inhalte wiederholt zu lernen, besteht darin, dass das Gelernte nicht addiert, sondern eher verdrängt wird. Diese Gefahr lässt sich durch elaboratives Lernen deutlich mindern.

Fazit

Es gibt viele verschiedene Arten zu lernen. Einige sind effektiver als andere. Generell kommt es jedoch auf den individuellen Lerntyp an. Jeder hat bestimmte Stärken und Schwächen was das Lernen angeht. Das elaborative Lernen stellt eine eher effizientere Lernmethode dar. Dabei ist vor allem das Verfassen des Gelernten in eigenen Worten wichtig. Wendet man diese recht simplen Methoden an, steigert dies die Wahrscheinlichkeit auf einen positiven Prüfungsausgang. Für alle, die im Moment tief in der Prüfungsphase stecken.