Prüfungsangst

quote-1444099_1280Es ist der Abend vor der Prüfung. So langsam stellt sich leichte Nervosität ein. Man schläft, wenn überhaupt, nur unruhig. Am nächsten Morgen geht man dann müde zur Prüfung. Man sitzt im Prüfungsraum. Die anderen Prüflinge lernen noch ein wenig oder ruhen sich etwas aus. Die Anspannung steigt. Dann wird die Prüfung ausgeteilt. Der Herzschlag beschleunigt sich, kalter Schweiß bricht aus, der Kopf blockiert. So oder so ähnlich geht es vielen Studierenden, Schülern oder Azubis. Doch woher kommt eigentlich diese Prüfungsangst und wie kann man sie beheben?

Definition und Symptome

Die Prüfungsangst ist eine Angst vor der Bewertung der persönlichen Leistung und stellt somit eine Sonderform der sozialen Bewertungsangst dar. Oft geht diese Angst auf negative Erfahrungen in der Kindheit zurück, in denen man Ohnmachtsgefühle verspürte oder Situationen starker Überforderung erlebte. Solche Situationen versucht man nun vermehrt zu vermeiden. Dabei bezieht sich die Prüfungsangst meist nicht darauf zu versagen, sondern eher auf die Folgen. Gesichtsverlust, Spott, Statusverfall sind die Komponenten, die wir fürchten, sollten wir eine Prüfung nicht zufriedenstellend bewältigen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Einige setzen zu hohe Erwartungen an sich selbst. Dieser übersteigerte Ehrgeiz entfesselt einen gewaltigen Druck, dem der Prüfling irgendwann nicht mehr gewachsen ist. Zusätzlich zu einem selbst erstellten Druck, kann auch noch ein Druck von außen die Prüfungsangst weiter begünstigen. Erwartungen der Eltern oder die Einhaltung der Regelstudienzeit beeinflussen zunehmend. Eine schlechte Vorbereitung trägt darüber hinaus zu erhöhter Nervosität und Angst während der Prüfung bei. Diese entstehende Prüfungsangst mindert das Selbstvertrauen.

Dabei kann ein gewisses, gemäßigtes Level an Angst sogar förderlich und aktivierend wirken. In geringem bis mittleren Level erhöht Angst den Wachheitsgrad und die Aufmerksamkeit und steigert die Konzentration sowie das Reaktionsvermögen. Erst wenn der Stress zu groß wird und länger anhält, schlagen dessen Vorteile in Nachteile um. Der Körper reagiert mit Widerstand. Die Ausschüttung von Adrenalin und Cortisol, die in geringem Maße noch förderlich wirkten, verhindern nun den Zugriff auf die Lerninhalte. Das System ist auf Flucht ausgelegt. Was in frühen Zeiten der Menschheit das Überleben bedeuten konnte, wird uns heute zum Verhängnis. Aus diesen Gründen sollte es bei der Bewältigung von Prüfungsangst nicht darum gehen die Angst zu vermeiden, sondern darum den Umgang mit der Angst zu lernen und diese so produktiv zu nutzen.

Tipps und Mittel gegen Prüfungsangst

Angst vor vielen Dingen, unter anderem vor Prüfungen, steckt tief in uns. Es gibt keine einfachen Wege diese von jetzt auf gleich zu beheben. Gerade in besonders schwerwiegenden Fällen kann letzten Endes vielleicht nur noch eine professionelle Therapie helfen. Trotzdem gibt es einige Methoden und Mittel um Prüfungsangst zumindest abzuschwächen.

  • Gute Vorbereitung

Bei Vielen rührt die Prüfungsangst daher, da sie sich nicht ausreichend auf die Prüfung vorbereitet haben. Das beinhaltet sowohl fachliche als auch mentale Aspekte. Frühzeitig mit dem Lernen zu beginnen, sich eventuell einen Lernplan zu erstellen und nicht in Prokrastination zu verfallen, sind alles Dinge, die leicht durchzusetzen sind und der Angst in der Prüfung vorbeugen können. Darüber hinaus sollte man sich auch mental auf die Prüfung vorbereiten. Durch Testklausuren versetzt man sich in eine ähnliche Situation, die auch in der Prüfung vorherrscht. Setzt euch die gleiche Zeit, die ihr auch in der Klausur zur Verfügung und übt somit die Prüfungsgegebenheiten. So gewöhnt man sich an die Prüfungssituationen und ist in der tatsächlichen Prüfung nicht mehr so überfordert mit der Situation.

  • Emotionsregulierung

Bei Ängsten aller Art spielen Emotionen eine wesentliche Rolle. Durch den Versuch diese zu regulieren, kann schon einiges gewonnen werden. So sollte man sich klarmachen, dass das Leben auch nach der Prüfung weitergeht. Die Stresssituation Prüfung ist meist nur eine temporäre Angelegenheit. Danach sinken das Stresslevel und die Nervosität wieder merklich. Malt euch also aus, was ihr am Nachmittag nach der Prüfung machen werdet oder führt euch vor Augen, wie ihr die Klausur bewältigen und schaffen werdet. Stress und Angst entstehen oft nur daraus, dass man sich selbst einredet, man könne dieses und jenes nicht. Diese Spirale der negativen Emotionen muss aufgehalten werden durch positive Empfindungen. Redet man sich lange genug ein, man schaffe das schon, wird dieser Gedanke auch irgendwann Wirklichkeit.

  • Entspannung

Gemeinsam mit der Prüfungsangst kommt auch immer eine gewisse Anspannung daher. Diese mindert unsere Konzentration und Effektivität. Mit einfachen Mitteln kann diese Anspannung gelockert werden. Eine bewusste Atmung kann während der Prüfung den Kreislauf beruhigen und die Sauerstoffzufuhr des Gehirns anregen. So sollte man tief und langsam in den Bauch einatmen, kurz die Luft halten und dann wieder ausatmen. Darüber hinaus kann ein kurzfristiges An- und wieder Entspannen der Muskeln dazu führen, dass die Produktion der Stresshormone gemindert wird. Eine gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf tragen weiterhin zu einer erhöhten Leistungsfähigkeit bei.

  • Sich Angst bewusst machen

Die Angst ist im Moment der Prüfung da. Diese zu leugnen oder sie sich wegdenken zu wollen, bringt nichts. Seid euch eurer Angst bewusst, aber eben auch, dass ihr sie kontrollieren könnt. Dabei hilft euch bewusst zu machen, dass ihr nicht alleine seid. Hochschul-Studien zufolge leiden ca. 40% aller Studierenden unter starker Prüfungsangst. Ihr seid also nicht die oder der Einzige, der mit flauem Magen im Prüfungsraum sitzt. Darüber hinaus haben Forscher der Universität Chicago herausgefunden, dass es hilft seine Ängste vor der Prüfung aufzuschreiben. Dies lagert die Ängste extern ab, wodurch das Kurzzeitgedächtnis wieder fähig ist zu denken und nicht mehr durch Angst blockiert wird. In ihrer Studie erreichten die Studierenden, die ihre Ängste aufgeschrieben haben, ein signifikant höheres Testergebnis als Studierende, die dies nicht taten.

Fazit

Jeder Mensch hat Angst. Es ist eine evolutionäre Errungenschaft, die uns das Überleben ermöglichen soll. In der heutigen Welt haben sich Ängste jedoch auf andere Gebiete ausgebreitet, die nicht mehr unser Überleben aber unser soziales Leben bedrohen können. So empfinden Viele eine Angst vor Prüfungen, da sie deren soziale Implikationen fürchten. Statusverlust, Spott oder soziale Ausgrenzung ist, was wir fürchten. In Prüfungen zeigt sich diese Angst dann an typischen Stresssymptomen wie einem schnelleren Herzschlag oder Schweißausbrüchen sowie Blackouts. Obwohl die Inhalte vielleicht präsent sind und der Prüfling diese im Normalfall beherrscht, verhindert die Prüfungsangst diese Kenntnisse einzusetzen. Durch eine gute Vorbereitung auf die Prüfung, die Erarbeitung einer emotionalen Stabilität und Entspannungsübungen kann etwaigen Prüfungsängsten vorgebeugt werden. Deshalb (wenn es euch möglich ist): Macht euch nicht verrückt, das Leben geht auch nach der Prüfung weiter.

Der optimale Lernplan

time-273857_1280
Den Lernprozess planen

Das Lernen zu lernen ist ein essentieller Bestandteil für den individuellen Lernerfolg. Wichtige Bestandteile dabei sind die Organisation des Lernens, die Informations- und Wissensaufnahme, die Verarbeitung und Speicherung der Inhalte sowie Motivation, Entspannung und Kontrolle. In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit dem ersten Punkt: der Organisation des Lernens. Wie ein Lernplan bei der Prüfungsvorbereitung hilft und wie man einen optimalen Lernplan erstellt.

Die Organisation des Lernens in Form eines Lernplans hilft dabei einen Überblick zu verschaffen und etwas Ordnung in die meist chaotischen Unterlagen zu bringen. Durch einen guten Lernplan wird die Arbeitsaufteilung deutlich klarer, indem alles zeitlich optimal aufgeführt wird. Dabei ist ein gutes Zeitmanagement gefragt. Dies bedeutet am Anfang zwar noch etwas zusätzliche Arbeit, wird sich aber im Nachhinein in jedem Fall auszahlen.

Übersicht schaffen

Am Anfang der Lernphase ist es zunächst wichtig Ordnung in das Chaos zu bringen. Mit der Zeit hat sich so einiges an Lernmaterialien aufgestaut. Nun sollte man frühzeitig (also nicht 2 Wochen vor der Prüfung) einen ersten groben Plan erstellen, der die Arbeitsaufteilung bis zur Prüfung enthält. Dabei sollten die wichtigsten Lernziele auf einen Blick festgehalten sein. Dies liefert einen guten Überblick und zeigt für welche Lerninhalte wie viel Zeit zur Verfügung steht. Wichtig dabei ist jedoch zu beachten, dass man auch immer flexibel bleibt und Luft für unvorhergesehene Arbeit mit in den Plan einbaut.

Ziele setzen

Hat man sich nun einen ersten Überblick verschafft, geht es in die Konkretisierung des Plans. Hierbei werden Wochenpläne erstellt, die konkretere Aufgaben und Ziele enthalten. Die Ziele, die man sich setzt sollten dabei realistisch und motivierend gestaltet sein. Sind die Herausforderungen, die man sich setzt, im Einklang mit den eigenen Fähigkeiten gerät man in einen sogenannten Flow-Zustand, in dem man effektiver und effizienter lernen kann. Man kann sich darüber hinaus noch Meilensteine setzen, die man zu einem bestimmten Zeitpunkt erreicht haben möchte. Zur Erreichung des Meilensteins kann man sich dann selbst belohnen mit einem schönen kühlen Eis oder ähnlichem um die Motivation hochzuhalten.

Hat man dann auch diesen Teil des Lernplans aufgestellt, geht es in die feinste Aufteilung, und zwar den Tagesplänen. Hierbei plant man einen ganzen Tag durch, der dann für die spezifische Tageszeit die gewünschten Lerninhalte sowie auch Pausen enthält. In den Pausen sollte man sich einem komplett anderen Thema widmen, um auch wieder den Kopf etwas frei zu bekommen. Ein Spaziergang, ein wenig Sport oder dem Hobby nachgehen. Das ist keine Zeitverschwendung, denn das vorher Gelernte wird in den Pausen in das Langzeitgedächtnis übertragen. Zu viel Lernen kann sogar dazu führen, dass das Gelernte nicht verinnerlicht wird. Von der Tageszeit her sind der Vormittag von 9 bis 12 Uhr sowie der Nachmittag von 14 bis 18 Uhr die normalerweise produktivsten des Tages. Darüber hinaus sollte man jedoch den Lernplan an seine eigenen Gewohnheiten anpassen.

Die Ziele, die man sich dabei pro Tag setzt, sollten so detailliert und konkret wie möglich formuliert werden. Anstatt also zu schreiben: 3 Stunden Englisch lernen wäre es besser zu schreiben: 100 Vokabeln lernen, Texte X & Y lesen. So hat man eine konkrete Aufgabeneinteilung. Eine wage und unkonkrete Zielsetzung mindert nachweislich die Motivation und es entsteht eine größere Wahrscheinlichkeit abzuschweifen.

So könnte beispielhaft ein Tagesplan aussehen:

Tageszeit Tätigkeit
08.30 – 09.00 Frühstück und Bad
09.00 – 11.30 Literaturrecherche
11.30 – 14.00 Mittagessen, kurzer Spaziergang
14.00 – 16.00 Wichtigste Literatur lesen
16.00 – 18.00 Zusammenfassen der Kernaussagen
18.00 – 22.00 Ausgehen mit Freunden

Freizeit und Erholung

Genauso wichtig wie das aktive Lernen, sind auch die Phasen der Erholung. Wie bereits erwähnt kann zu viel lernen sogar kontraproduktiv sein. Das Sozialleben sollte auch in Zeiten der Prüfungsphase nicht komplett vernachlässigt werden. Das Treffen mit Freunden, Zeit mit dem Partner, Aktivitäten beim Sport oder ein gemütlicher Abend zu Hause schüttet Glückshormone aus, mindert Stress und hält so die Energie und Motivation zum Lernen hoch. Auch eine gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf sind essentiell für den Lernerfolg. Vor allem im Schlaf werden gelernte Inhalte gefestigt und ins Langzeitgedächtnis übertragen. So sollte genügend Zeit für Freizeit und Erholung mit in den Lernplan eingebaut werden. Die Mittagszeit bietet sich an um etwas Gutes zu kochen, in Ruhe zu essen und sich vielleicht mit Mitlernenden auszutauschen. Der Abend sollte dann für Freunde, Partner oder ähnliches freigehalten werden.

Kontrolle

All das Planen und Konkretisieren bringen am Ende des Tages nichts, wenn die Ergebnisse des Lernprozesses nicht evaluiert werden können. Hat man sich an die eigens gesetzten Ziele und Vorgaben gehalten? Konnte man die Zeithorizonte einhalten? Hat man alle Lerninhalte in der Zeit unterbringen können? Feedback auf diese Fragen können äußerst motivierend wirken. Einerseits durch ein positives Gefühl, wenn man die Ziele erreicht hat. Andererseits kann ein wenig Druck auch motivierend wirken, falls man seine Ziele etwas verfehlt hat. Dabei ist ein Lernplan vor allem für diejenigen empfehlenswert, die unter Prokrastination leiden.

Fazit

Ein Lernplan bietet nun also die folgenden Vorteile

  • Verschafft Überblick und bringt Ordnung
  • Motiviert beim Lernen
  • Setzt stets Ziele vor Augen
  • Lernfortschritt kann kontrolliert werden

Somit bietet ein optimaler Lernplan einen wahrnehmbaren Mehrwert und kann so den Lernerfolg sicherstellen. Ganz nach den Worten von John ‚Hannibal‘ Smith aus dem A-Team: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.“

Prokrastination – Morgen fange ich an, versprochen!

fighting procrastination concept - do it phrase on color sticky notes posted on a cork bulletin board

Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Jeder kennt dieses Sprichwort nur allzu gut. Dennoch tut man es nur zu gerne, obwohl man es nicht sollte. Wichtige Aufgaben aufschieben. Sei es das Lernen für eine Prüfung, das Anfertigen von Bewerbungen oder eine Aufgabe für die Arbeit. Man schiebt die Arbeit auf, man denkt sich „das hat ja noch Zeit“. Stattdessen wird etwas ausgiebiger gefrühstückt, Facebook oder E-Mails gecheckt, alles nur nicht die Aufgabe, die man erledigen sollte. Doch ist Prokrastination, wie es angelehnt an das englische „procrastination“ auch genannt wird, nur eine lästige Charaktereigenschaft oder steckt sogar mehr dahinter?

Definition

In Websters Wörterbuch findet man unter „procrastination“ übersetzt: „Die Handlung oder die Gewohnheit des Aufschiebens, oder des Vertagens auf einen zukünftigen Zeitpunkt.“ Diese Definition erfasst jedoch nur Teilpunkte des Begriffes. Weiter versteht man unter Prokrastination eben den bewussten und aktiven Akt des Verschiebens, wobei es sich meist um unnötiges und irrationales Verschieben handelt. So lässt sich Prokrastination besser so beschreiben:

„Ein häufiges oder gewohnheitsmäßiges Verhalten von Menschen aktiv, unnötig und irrational notwendige Tätigkeiten auf zukünftige Termine, die meist vage und unbestimmt sind, zu verschieben, statt sie konsequent und pünktlich zu erledigen.“

Statt die anstehenden Aufgaben zu erledigen, widmet sich der Prokrastinator Ersatzhandlungen, die häufig weniger wichtig und manchmal auch unsinnig sind. Dabei sollte man weiter unterscheiden zwischen denen, die Aufgaben aufschieben, diese aber noch rechtzeitig fertigstellen und denen, die durch chronisches Aufschieben in Probleme in Arbeits- oder Privatleben geraten. Für die zweite Gruppe dieser Menschen ist Prokrastionation eine tatsächliche Arbeitsstörung, die behandelt werden sollte. Denn die Betroffenen leiden subjektiv darunter, da sie ihre Aufgaben gar nicht oder nur unter sehr großem Druck fertig stellen. Somit handelt es sich um ein ernsthaftes Problem der Selbststeuerung, für das es professionelle psychologische Hilfe gibt.

Die Schwierigkeiten von Prokrastinatoren liegen darin Prioritäten zu setzen. Sie leiden dadurch unter Minderwertigkeitsgefühlen, da sie Erfolg mit Selbstwert gleichsetzen. Sind die Aufgaben zu groß, deren Erfolgserlebnisse man bräuchte, fühlt man sich schnell überfordert. Anstatt die große Aufgabe in Angriff zu nehmen, ziehen Prokrastinatoren kleinere und einfachere Aufgaben vor, wie Aufräumen, Putzen oder E-Mails lesen. Da man durch die Bewältigung dieser kleinen Aufgaben eine schnelle Belohnung erhält, flüchtet man sich irgendwann mehr und mehr in belanglose Nebentätigkeiten. Chronisches Aufschieben beeinträchtigt allerdings auch das psychische Wohlbefinden und kann so selbst zur Ursache für andere psychische Belastungen und Symptome werden.

Dabei ist selbst ein kleiner erster Schritt schon ein Erfolgserlebnis. Wer aber selbst den Beginn der Aufgabe vor sich herschiebt, bekommt langfristig Probleme. Die 72-Stunden-Regel besagt, dass sich jemand innerhalb der ersten 72 Stunden zumindest mit dem ersten Schritt beschäftigen muss, sonst sinkt die Chance das Projekt überhaupt zu beginnen auf ein Prozent.

Haben Sie sich in dieser Definition wiedererkannt? Fürchten Sie nun die Folgen des Aufschiebens? Das müssen Sie nicht unbedingt. Denn Fakt ist auch, dass so gut wie jeder Mensch aufschiebt. In einer Studie gaben nur 2% der Menschen an, niemals aufzuschieben. Die Frage ist nun in welchem Maße man selbst von Prokrastination betroffen ist und wie eine chronische Störung behandelt werden kann.

Wer ist betroffen?

An der Universität Münster wurde bereits 2004 das Störungsbild der Prokrastination von zwei Studentinnen im Rahmen ihrer Diplomarbeit untersucht. Auch wenn sich die Ergebnisse, laut eigener Aussage, nicht ohne weiteres verallgemeinern ließen, stießen sich doch auf einige Merkmale. So schöben Männer häufiger auf als Frauen und das Verhalten lasse sich vermehrt gegen Ende des Studiums feststellen. Des Weiteren seien Aufschieber öfter in unstrukturierten Fächern zu finden, wie z.B. den Geisteswissenschaften. Der amerikanische Psychologe William Knaus behauptete, dass etwa 90 Prozent aller College-Studenten immer mal wieder wichtige Pflichten aufschoben. Unter anderem aus diesen Gründen wird Prokrastination oft auch als „Studentensyndrom“ bezeichnet. Jedoch ist es eine Arbeitsstörung, die in der Gesamtbevölkerung vorkommt. Vor allem Berufsgruppen, die überwiegend selbstgesteuert arbeiten, sind davon betroffen. Darunter fallen neben Studenten, eben auch Anwälte, Journalisten oder Lehrer.

Dabei kann man grob zwei unterschiedliche Typen von Aufschiebern identifizieren. Der „Erregungsaufschieber“ genießt das Hochgefühl Aufgaben in letzter Minute fertigzustellen. Er braucht das Adrenalin und den Druck um effektiv arbeiten zu können. Hierfür sind vor allem Berufsgruppen anfällig, deren Arbeitsalltag eher weniger aufregend ist. Der zweite Typ ist der „Vermeidungsaufschieber“. Er hält nichts von diesem Hochgefühl, sondern empfindet die Arbeit so negativ, dass er aus Selbstschutz aufschiebt. Die unangenehme Aufgabe wird verschoben, sodass man nicht enttäuschen oder versagen kann. Das Aufschieben ist dabei eine Möglichkeit, Erwartungen oder Konflikten aus dem Weg zu gehen.

So gut wie jeder schiebt mal eine Aufgabe vor sich her. Nur wenige erleiden starke Probleme dadurch. Doch woher kommt dieser Hang zum Aufschieben eigentlich?

Ursachen

Generell lässt sich über die Ursachen des Störungsbilds nichts Einheitliches sagen, da diese noch nicht hinreichend erforscht wurden. Einige Aspekte kann man jedoch bereits benennen. Durch das Nicht-Ausführen der unangenehmen Tätigkeit fallen kurzfristig negative Gefühle weg, was zu einer Spannungsreduktion führt. Im Sinne der Konditionierungstheorien kommt es dadurch zu einer negativen Verstärkung. Das Ausführen einer anderen, angenehmeren Tätigkeit hingegen, hat einen positiven Effekt und führt so zu positiver Verstärkung. So bringt der Prokrastinator dem Gehirn bei, aufschieben lohne sich.

Des Weiteren werden Idole und abschreckende Beispiele oft für chronische Prokrastination ausgemacht. Wie in vielen Aspekten des Lebens ist auch hier die Erziehung von besonderer Wichtigkeit. Lernt ein Kind bereits von den Eltern unliebsame Tätigkeiten aufzuschieben, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dies in älteren Jahren selbst zu praktizieren. Aber auch das Gegenteil kann eine Ursache darstellen. Perfektionismus kann zu Prokrastination führen. Da Perfektionisten eben alles perfekt erledigen wollen, schieben sie Dinge auf, da es nun mal immer möglich noch etwas zu verbessern. Durch das Aufschieben kommen Perfektionisten nicht zu einem Ende und können so die Aufgabe irgendwann noch perfekt abschließen.

Weiter Ursachen liegen bei der Einstellung zum Projekt selbst. Wird der Aufgabe eine geringe Bedeutung beigemessen oder besteht eine innere Ablehnung gegenüber der Tätigkeit und deren Auflagen, schieben Prokrastinatoren die Arbeit vor sich her. Darüber hinaus können unklare Anforderungen oder ganz einfach die Unfähigkeit das Projekt zu bewältigen, Gründe für chronisches Aufschieben sein. Schlussendlich spielen individuelle Versagensängste auch eine wichtige Rolle. Die Angst vor Kritik oder Versagen lähmt den Prokrastinator, sodass er lieber die Arbeit aufschiebt.

Ursachen für Prokrastination zusammengefasst:

  • Probleme in der Prioritätensetzung
  • mangelnde oder unrealistische Planung
  • Schwierigkeiten in der Abgrenzung gegen alternative Handlungstendenzen
  • Defizite im Zeitmanagement oder in der Konzentrationsfähigkeit
  • Abneigung gegen die Aufgabe
  • Angst vor Versagen oder Kritik
  • Fehleinschätzungen der Aufgabe oder der eigenen Anstrengungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit

Folgen – negativ wie positiv

Was sind nun die Folgen, die aus chronischem Aufschieben resultieren? Neben offensichtlichen Nachteilen, wie dem Verpassen von Anmeldefristen oder der schlechten Vorbereitung auf eine Prüfung, bestehen darüber hinaus weitere, auch psychische Folgen.

Ansehensverluste durch aufgeschobene Tätigkeiten resultieren aus Prokrastination. Dies dehnt sich auf die Arbeitswelt, aber auch auf den Privatbereich aus. Neben möglichen Karriereknicks durch andauerndes Aufschieben, erleidet man weitere Vertrauensverluste bei seinen Mitmenschen. Dadurch entstehen finanzielle und gesundheitliche Probleme. Werden z.B. mögliche Symptome von Erkrankungen ignoriert und ein Arztbesuch aufgeschoben, potenzieren sich die gesundheitlichen Beschwerden physischer als auch psychischer Natur. Am Anfang der Prokrastination steht meistens eine leichte Unzufriedenheit, die sich langsam steigert und im schlimmsten Fall in eine schwere Depression münden kann.

Neben all den negativen Folgen, die das Aufschieben mit sich bringt, kann es jedoch auch positive Aspekte mit sich bringen. So erfüllt allein das Vorhaben etwas in Angriff zu nehmen, jemanden mit einem Hochgefühl. Auch wenn die tatsächliche Tätigkeit nie in Angriff genommen wird, bleibt der positive Reiz dennoch bestehen. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Nicht-Erledigung des Projekts keine negativen Aspekte zu Folge hat. Das Aufschieben lässt den Traum weiter bestehen. In bestimmten Fällen kann es zudem sein, dass sich die Aufgabe von selbst erledigt, schiebt man sie nur lange genug vor sich her. So hat man sich die Arbeit dafür gespart und keine negativen Folgen sind entsprungen.

Hatte das Aufschieben jedoch negative Folgen und resultiert dies in einer psychologischen Missstimmung, existieren ein paar Ansätze zur Behandlung der Störung.

Behandlung

Prokrastination ist noch nicht in die gängigen Klassifikationssysteme psychischer Störungen aufgenommen worden. Dementsprechend existieren bisher kaum Behandlungsansätze, die auf die Behandlung chronischen Aufschiebens abzielen. Obwohl sich die Behandlung in vielen Fällen als schwierig gestaltet, ähnlich wie bei einer Depression, so gibt es doch einige Handlungsoptionen. Zuallererst ist es wichtig sich die Ursachen des Aufschiebens bewusst zu machen. Schiebt man eine Aufgabe nur auf, weil man nicht die nötige Qualifikation besitzt diese zu meistern, ist es sinnvoll diese Aufgabe komplett auf- oder abzugeben. In vielen harmlosen Fällen lässt sich das Problem also durch Selbstanalyse und Bewusstwerdung der Zusammenhänge und darauf folgende Selbstdisziplin lösen. Ziel einer jeden Behandlung sollte es demnach sein die eigene Selbststeuerung zu verbessern.

Einige Aspekte dieser Selbststeuerung können wie folgt aussehen:

  • Strukturierung des Arbeitsverhaltens
  • Setzen realistischer Ziele
  • Umgang mit Ablenkungsquellen und negativen Gefühlen
  • Systematische Veränderung der Arbeitsgewohnheiten
  • Konsequenzen verdeutlichen

Ein chinesisches Sprichwort besagt: „auch die längste Reise beginnt mit einem einzigen Schritt.“ So kann es sinnvoll sein, die Aufgabe in einzelne, kleine Arbeitsschritte zu unterteilen und so mit kleinen Schritten anzufangen. So nimmt man sich nicht zu viel auf einmal vor und kann sich für kleine Erfolge belohnen. Eine realistische Planung sorgt dafür, dass man sich den Arbeitsprozess genau vor Augen führt und so eine Strukturierung in den Arbeitsprozess bringt.

Der richtige Umgang mit seinen Emotionen ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Lässt man sich von negativen Gefühlen runterziehen, gerät man schnell in eine negative Spirale. Redet man sich nur oft genug ein man könne die Arbeit sowieso nicht vollbringen, glaubt man es irgendwann selbst. Anstatt sich selbst Vorwürfe zu machen, sollte man lieber analysieren warum man an einem bestimmten Punkt nicht weiterkommt um darauf aufbauend eine Lösung des Problems zu entwickeln. Des Weiteren solle man sich für jeden Schritt in die richtige Richtung selbst belohnen.

Sich die Konsequenzen zu verdeutlichen, die entstehen, wenn man ein Projekt nicht abschließt, kann im ersten Moment noch mehr Druck erzeugen, auf lange Sicht aber hilfreich und heilsam sein. So führt man sich vor Augen wofür man die Arbeit auf sich nimmt und verfolgt dieses Ziel, auch wenn eine gewisse Abneigung gegen die Aufgabe per se besteht.

Haben einem diese Strategien nicht geholfen und sich das Aufschieben zu einer schwerwiegenden psychologischen Störung oder Depression gefestigt, ist eine psychologische Therapie vonnöten. Die Uni Münster hat dafür eigens eine Prokrastinationsambulanz erstellt. Aber auch eine normale psychologische Behandlung ist anzuraten.

Fazit

Prokrastination ist etwas, das jeden betrifft. Jeder schiebt mal eine lästige Aufgabe für eine Zeit lang auf. Solange man dadurch nicht in ernste Probleme  gerät und die Arbeit immer fristgerecht erledigt, ist das alles kein Problem. Problematisch wird es jedoch, wenn aus dem chronischen Aufschieben ständige negative Folgen erwachsen. Auch dafür gibt es jedoch Hilfe und Therapien. Deshalb lieber heute als morgen die Dinge in Angriff nehmen.

Gelernt und Vergessen – Ebbinghaus klärt auf

800px-Vergessenskurve
Vergessenskurve, © Rdb, Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Kennt ihr das auch? Ihr hört gerade Musik und euch fällt auf, dass ihr ganze Songtexte von vor 15 Jahren auswendig mitsingen könnt. Ihr sitzt auf dem Sofa und könnt ganze Passagen eurer Lieblingsfilme mitsprechen. Ihr kommt abends nach Hause und überlegt was jetzt eigentlich in den Vorlesungen des Tages dran kam. Und ihr erinnert euch nicht mehr an alles! Eine Woche später könnt ihr kaum noch sagen, was der Professor erzählt hat. Wie kann es sein, dass man schon eine Stunde nach einer Vorlesung die Hälfte des Stoffs vergessen hat? Leider werden die meisten von uns am Ende des Tages aber nicht für das Vorsingen der Lieblingssongs bezahlt. Warum bleibt also das eine länger im Gedächtnis als das andere?

Die Antwort dafür brachte ein Mann schon vor 130 Jahren. Viele Forscher haben auf seinen Ergebnissen aufgebaut. Hier ist die Geschichte des Mannes, der sich dem Mechanismus des Vergessens widmete.

Vergessenskurve nach Ebbinghaus

Vergangene Zeit Anteil des Gelernten im Gedächtnis
20 Minuten 60%
60 Minuten 45%
24 Stunden 34%
6 Tage 23%
dauerhaft 15%

Der Psychologe Herrmann Ebbinghaus führte 1885 eine Studie durch um die Zeiträume zu ergründen, nach denen wir Inhalte vergessen. Diese Studie brachte hervor, dass wir bereits nach 20 Minuten 40% des Gelernten wieder vergessen haben. Mit zunehmender Zeit vergisst man natürlich immer mehr, jedoch lässt das Vergessen mit der Zeit nach. So können wir uns nach einer Stunde zumindest noch an 45% des Erlernten erinnern. Nach einem Tag bleibt nur noch ein Drittel hängen und nach einer Woche sind weniger als ein Viertel des Gelernten bekannt.  Herr Ebbinghaus hat dies durch Selbstversuche herausgefunden, indem er inhaltslose Wörter und Sätze auswendig lernte. Dazu gehörten Silben wie „bap“, „lue“ oder „kop“. Nach einer bestimmten Frist versuchte er dieses Erlernte wiederzugeben. Schon nach kurzer Zeit fiel ihm auf, dass er sich nur noch an einen Bruchteil dessen korrekt erinnern konnte.

Hier erntet er jedoch auch Kritik, da seine Studien nur auf das Lernen zusammenhangloser Begriffe ausgelegt waren. Generell lässt sich sagen, dass gängige Wortzusammensetzungen besser im Gedächtnis verbleiben als zufällig zusammengesetzte Silben. So kam eine andere Studie von Christian Michel und Felix Novak zu dem Ergebnis, dass Prinzipien und Gesetzmäßigkeiten nach 30 Tagen erst zu 5% vergessen sind. Gedichte und Prosa bleiben zu 50% bzw. 40% im Gedächtnis. Trotz der an Ebbinghaus verrichteten Kritik sind seine Forschungen immer noch absolute Grundlagen in der Gedächtnisforschung. Somit wird er auch als ein Pionier auf diesem Gebiet angesehen.

Einige Faktoren mildern die Steigung der Vergessenskurve ab. Dazu gehören der thematische Kontext, Fähigkeiten, Talent und Interesse sowie der Lernkontext. Effektiv gegen das Vergessen sind diese jedoch alle nicht.

Wege effektiver zu lernen

Was hilft nun tatsächlich dabei erlernte Sachverhalte länger im Gedächtnis zu behalten? Durch vermehrtes Gedächtnistraining lässt sich gegen zu starkes Vergessen ankämpfen.

Generell bleiben Lernstoffe besser hängen, wenn sie klar und prägnant sind. Sind die Lerninhalte zu umfangreich verlieren wir den Überblick und können uns Zusammenhänge und Details schwerer merken. Auch das sog. „Mindmapping“, das von Tony Buzan entwickelt wurde, hilft dabei Erlerntes länger im Gedächtnis zu behalten. Dabei sollen im Lernprozess die Gehirnhälften miteinander verbunden werden. Dies geschieht besonders gut, wenn durch Kennwörter, Farben und Bilder eine visuelle Unterstützung stattfindet.

Die beste Form erlernte Stoffe dauerhaft zu behalten, besteht aber darin diese ständig zu wiederholen. Denn die Wiederholung ist die Mutter des Studierens. Durch ständiges Üben bleiben die Nervenverbindungen im Gehirn dauerhaft bestehen. Die Vergessenskurve wird durch das ständige Verknüpfen und Üben somit positiv beeinflusst. Die Wiederholung ermöglicht es die Lerninhalte ins Langzeitgedächtnis zu bringen.

Doch aufgepasst: Wiederholen ist nicht gleich wiederholen! Mit massierten Wiederholungen im Anschluss an eine Lernphase können wir die Vergessenskurve nicht überlisten. Wer sich also erst kurz vor Klausuren und Prüfungen hinsetzt und alle Stoffe dauerhaft wiederholt, erzielt keinen langfristigen Lernerfolg. Besser ist es einen Stoff so zu lernen, dass wir ihn gerade beherrschen. Danach legt man ihn am besten zur Seite. Nach geeigneter Zeit wird das Erlernte wieder hervorgeholt um es wieder auf das 100%-Niveau zu bringen. Führt man diese Schritte mehrmals durch verflacht sich die Vergessenskurve und das Erlernte bleibt länger im Gedächtnis. Eine gute Methode Lernstoffe durch häufiges Wiederholen besser ins Gedächtnis zu bringen, sind Karteikarten.

Keine Angst vor dem Vergessen

Das Vergessen wichtiger Lernstoffe ist ein wichtiges Thema für jeden Menschen. Dabei steht nicht nur das Bestehen der Klausur im Vordergrund, sondern geht auch darüber hinaus. Bleiben wichtige Lerninhalte dauerhaft in unserem Gedächtnis, haben wir es auch im Beruf mal leichter. Macht euch also keine allzu großen Gedanken darüber warum Songtexte besser bei uns haften bleiben als die letzte Vorlesung. Es hängt alles nur an der Wiederholung. Geht man einen Stoff oft genug durch, bleiben die Inhalte auch über die Klausur hinaus hängen. Schluss also mit „Bulimie-Lernen“ und „Procrastinating“! Der Weg zum Erfolg führt über ständiges Wiederholen mit angemessenen Pausen dazwischen.

Und zum Schluss könnt ihr euer eigenes Experiment durchführen. Versucht in einer Stunde nochmal die Inhalte dieses Artikels wieder zu geben. Ihr kriegt es nicht mehr 100% zusammen? Kein Problem! Der Artikel ist hier im Blog schließlich noch lange abrufbar.

Der Flow-Zustand

water-4188_1280
Flow-Zustand

Ein Zustand, in dem einfach alles zu gelingen scheint. Irgendwie fließt alles, man gibt sich voll und ganz der Aktivität hin. Man ist voll konzentriert und übermäßig motiviert. Es entsteht ein Bewusstsein für sich selbst und die Zeit vergeht wie im Flug. Nein, das ist keine Begleiterscheinung einer neuen Droge. Dieser Zustand ist der Flow. Diesen können wir in allen Tätigkeiten erleben. Was der Flow genau ist, welche Vorteile er bringt und wie man ihn forcieren kann, lest ihr hier.

Definition Flow

Der sogenannte Flow wurde vom Wissenschaftler mit dem eingängigen Namen Mihály Csíkszentmihályi geprägt. Mit dem Ziel vor Augen herauszufinden, was Menschen in ihrem alltäglichen Leben besonders glücklich macht, beobachtete und befragte er verschiedene Persönlichkeiten aus den Bereichen Musik, Medizin oder Extremsport. Durchgehend berichteten die Probanden von einem Zustand, in dem sie sich völlig ihrer jeweiligen Tätigkeiten hingegeben haben. Es schien ihnen als würde alles von alleine laufen. Diesen Zustand beschrieb Csíkszentmihályi dann als den Flow, den er dann später auch auf andere Bereiche, wie z.B. dem Lernen anwendete. Aber wie erreicht man eigentlich diesen Flow-Zustand?

Um diesen Zustand zu erreichen sind einige Voraussetzungen vonnöten. Dabei muss eine bestimmte Herausforderung mit den eigenen Fähigkeiten in Einklang stehen. Ist eine gewisse Tätigkeit zu einfach für uns, entsteht Unterforderung und resultiert in Langeweile. So tritt der Flow so gut wie nie bei Routinearbeiten auf. Ist die Tätigkeit jedoch zu schwierig entsteht Überforderung und wir geraten in Stress. Somit ist es wichtig sich realistische Ziele zu setzen. Des Weiteren muss eine intrinsische Motivation zur Erledigung der Aufgabe enthalten sein. Dies bedeutet, dass man von sich selbst aus gewillt und motiviert ist die Tätigkeit zu meistern und keine externen Gründe bestehen. Solche externen Gründe, wie Belohnungen oder Druck, helfen nicht dabei den Flow Zustand zu erreichen. Dauerhafter Druck ist mit der Zeit sogar kontraproduktiv, da sich das Gehirn dem Stress entgegenstellt und wir somit weniger denk- und aufnahmefähig sind.

Diesen Zustand voller Energie und Produktivität kann man nun auch auf den Lernprozess anpassen. Dabei müssen die Lernfähigkeiten mit der Herausforderung übereinstimmen. Durch das Erlangen neuer Lerntechniken fühlt man sich auf Dauer weniger überfordert und gerät nicht so schnell in den Stress-Bereich. Nutzt man diese Voraussetzungen erweitert man seine Fähigkeiten quasi automatisch. Die Anforderungen werden dabei stets ein Stück weit erhöht und somit steigen auch die eigenen Fähigkeiten gleich mit.

Der Flow-Zustand ist also ein probates Mittel für größeren Lernerfolg. Hier noch einmal die Voraussetzungen, die für ein Flow-Gefühl vorhanden sein müssen.

  1. Du musst der Aufgabe gewachsen sein. Herausforderung und Tätigkeit stehen im Einklang.
  2. Es muss dir realistisch möglich sein das Ziel zu erreichen.
  3. Ablenkungen unterbrechen den Flow-Zustand. Du solltest dich ganz auf die Aufgabe konzentrieren können.
  4. Man sollte selbst kleine Erfolge sofort erkennen können. Irgendeine Form von Rückmeldung damit man sieht, dass es läuft.
  5. Du hast eine von dir ausgehende Motivation haben die Aufgabe zu bewältigen. Im besten Fall hast du einfach Spaß daran.

Flow-Zustand bewusst erreichen

Um den Flow-Zustand bewusst zu erreichen, sind zwei Wege denkbar. Entweder die geforderte Aufgabe ist zu einfach und man muss diese spannender und herausfordernder gestalten oder die Aufgabe ist zu komplex und man muss gegen Überforderung angehen.

Sehen wir uns zuerst die erste Variante an. Ist man also von der Tätigkeit unterfordert, hilft es meist sich eigene Herausforderungen zu schaffen. Nach dem Gesetz der erzwungenen Effizienz werden Aufgaben spannender gestaltet und sich selbst ein gewisser (Zeit-)Druck geschaffen. So kann man sich z.B. das Ziel setzen einen eher uninteressanten Fachartikel in einer bestimmten Zeit zu lesen. Durch das Hinzufügen solcher Spiel- und Wettbewerbselemente mit sich selbst, lässt sich das Anforderungslevel heben, was idealerweise im Flow endet. Bei der Arbeit ist es möglicherweise besser solche Aufgaben, falls möglich, zu delegieren.

Auf der anderen Seite fühlen wir uns von einigen Tätigkeiten eher überfordert. Wir geraten in Stress und verteufeln die eigene Unzulänglichkeit. In einigen Fällen können hierbei Entspannungstechniken helfen, die eine gewisse körperliche Anspannung lösen. Oft kann dadurch der Stress-Bereich schon wieder verlassen werden. Liegt das Problem jedoch mehr in der Aufgabe selbst, kann es helfen die Aufgabe in Zwischenziele zu unterteilen, die man sich selbst zutraut. Durch das Erreichen kleinerer Meilensteine lässt sich die Tätigkeit in kleinen Schritten lösen. Darüber hinaus gibt es noch andere Faktoren, die man berücksichtigen kann. So tragen Sport, richtige Ernährung, ausreichend Schlaf, positive Emotionen oder allein die Tageszeit auch zum Erfolg bei. Ein gutes Zeitmanagement ist weiterhin ein großer Erfolgsfaktor für die Bewältigung schwieriger Aufgaben.

Gefahren des Flow-Zustands

So positiv der Flow-Zustand uns beeinflusst, so liegt doch auch ein kleines Risiko darin. Da im Flow vermehrt Dopamine, also sogenannte Glückshormone, ausgeschüttet werden, kann dieser Zustand in gewisser Weise süchtig machen. Genau diesen Umstand nutzen z.B. die Hersteller von Computer- und Videospielen. Diese sind meist so designt, dass sie einen Flow-Zustand im Spieler auslösen. Durch eine immer höhere Herausforderungsstufe wird der Zustand stetig verlängert, sodass die Spieler nicht mit dem Spielen aufhören wollen. Dies kann im Extremfall sogar in eine Sucht umschlagen. Darüber hinaus erscheinen Alltagstätigkeiten im Vergleich zum Flow langweiliger.

Fazit

Der Flow versetzt uns in einen Zustand des Glücks und der Zeitlosigkeit. Wir gehen vollkommen im Moment auf und haben das Gefühl, dass uns alles gelingt. Schaffen wir es diesen Zustand in unser Lernumfeld zu transportieren, fällt uns das Lernen an sich leichter und die Ergebnisse werden besser.

Meditation und Studium

Meditation und Lernen
Meditation und Lernen

Meditation hilft direkt im Studium, z.B.:

  • Die Funktionen des Gehirns werden generell unterstützt.
  • Das Gehirn wird befreit und entlastet. Man wirft den Ballast ab.
  • Bessere Konzentration gelingt.
  • Angst vor Prüfungen wird reduziert.

Meditation und Lernen – ein Thema mit vielen Facetten. „Meditation verändert Verknüpfungen im Gehirn dauerhaft“ – so melden amerikanische Forscher ganz aktuell. „Häufige Meditation hinterlässt bleibende Spuren in der Aktivität unseres Gehirns: Sie hemmt dauerhaft die Hirnzentren, die Angst, psychische Krankheiten und Aufmerksamkeitsstörungen hervorrufen. Bei regelmäßig meditierenden Menschen sind zudem die Gehirnbereiche stärker miteinander verknüpft, die die bewusste Wahrnehmung und Selbstkontrolle fördern …“ .

Quelle: http://www.nationalgeographic.de/aktuelles/meditation-veraendert-verknuepfungen-im-gehirn-dauerhaft; 04.12.2011

Zu älteren Erkenntnissen:

– „Achtsamkeit verändert das Gehirn“ — siehe http://www.stern.de/wissen/mensch/meditationsforscher-achtsamkeit-veraendert-das-gehirn-662478.html

– „Eine betörende Flucht aus der Gedankenflut“ — http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/f-a-z-serie-gehirntraining-eine-betoerende-flucht-aus-der-gedankenflut-1512642.html

– „Zähneputzen für das Gehirn“ — siehe http://www.sueddeutsche.de/wissen/meditation-und-hirnforschung-zaehneputzen-fuer-das-gehirn-1.1030100

– „Kernspin im Nirwana – Meditieren erhöht die Konzentration, verändert die Architektur des Gehirns und hilft bei Depressionen, sagt Ulrich Ott. Nun will er die Erleuchtung messen“ — siehe http://www.zeit.de/2008/06/P-Ulrich-Ott

etc.

Im Internet finden sich auch Anleitungen, grundsätzlich das Meditieren zu lernen.

Z.B. http://changenow.de/meditation-lernen/ .

Z.B. Meditationsübungen und Anleitungen http://www.meditierenlernen.com/

etc.

Und Bücher zum Thema gibt es auch:

Wolf Singer und Matthieu Ricard
Hirnforschung und Meditation. Ein Dialog
Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2008
ISBN 978-3-518-26004-3

Näheres zum Buch siehe: http://www.zentrum-fuer-psychosynthese.de/hirnforschung_meditation.html

Was wir von Sportlern lernen können?

Skier
Skier

Diese Frage wir oft gestellt. Antwort: Sehr viel!

Für das Studium, für die Arbeitssituation – Sportler haben eine Reihe guter Tipps für uns bereit.

Aktuell weist eine Broschüre der Techniker-Krankenkasse z.B. auf den Aspekt Motivation hin. (Download).

Dort werden fünf Mentalstrategien nach Prof. Dr. Hans-Dieter Hermann hervorgehoben und erläutert:

  • Motivieren Sie sich selbst
  • Optimieren Sie Ihre psychische Leistungsfähigkeit
  • Optimieren Sie Ihr Selbstbewusstsein
  • Optimieren Sie Ihre Regenerationsfähigkeit
  • Lassen Sie sich durch andere unterstützen

Ähnliche Beiträge:

http://www.karriere.de/beruf/von-sportlern-lernen-9662/

Wichtig auch für das Abnehmen: http://www.swr.de/odysso/-/id=1046894/nid=1046894/did=4481762/1hhpury/index.html

Video: http://klenkecoaching.com/2011/08/07/nn/

Literatur:

– Mortan, G.; Mortan, F. (2009): Bestanden wird im Kopf! : von Spitzensportlern lernen und jede Prüfung erfolgreich bestehen, Wiesabden: Gabler.

– Der Aspekt heißt „Selbstwirksamkeit“: Vgl. hierzu Heister, W.; Wälte, D.; Weßler-Poßberg, D.; Finke, M. (2007): Studieren mit Erfolg: Prüfungen meistern – Klausuren, Kolloquien, Präsentationen, Bewerbungsgespräche, Stuttgart: Schäffer-Poeschel.

Übungen z.B. beim Fremdsprachenlernen selber erstellen

Schritt für Schritt zum Lenrerfolg
Übunegn selber erfinden

Ich habe ja schon in meinem Buch (Heister, W. (2009): Studieren mit Erfolg: Lernen lernen und Selbstmanagement, 2. Auflage Stuttgart: Schäffer-Poeschel) dafür plädiert, Übungen selber zu erstellen. Dabei habe ich aber hauptsächlich an BWL-Übugen, also beispielsweise Aufgaben zur Kostenrechnung gedacht.

Aber jetzt bin ich durch eine Seite im Internet darauf gestossen worden, dass das ja auch beim Fremdsprachenlernen super passt. Der vorgehensvorschlag dort, ich zitiere:

„Ihr könnt den Text ausdrucken oder am Bildschirm bearbeiten und dann

1. könnt ihr bestimmte Wörter löschen und anschließend den Text rekonstruieren. Ihr könnt z.B. “neue Wörter” löschen oder “thematische Wörter” oder “bestimmte Wortarten” also Nomen, Verben, Adjektive – allerdings dann nicht alle auf einmal.

2. Eine Variante davon ist es Wörter in regelmäßigem Abstand zu löschen. Also z.B. jedes fünfte Wort oder jedes sechste Wort (mehr Lücken solltet ihr vermeiden) – und dann den Text wieder rekonstruieren.

3. Eine andere Variante ist, immer die Hälfte von jedem zweiten Wort zu löschen. Ihr müsst nur aufpassen, wenn ihr ein zusammengesetztes Nomen (Kompositum) habt, dürft ihr nur vom hinteren Wort die Häfte löschen, sonst könnt ihr das Wort nicht richtig rekonstruieren.“

Und wenn ich jetzt weitere Felder such, dann denke ich: Es passt  sicher auch auf juristische Texte.

Und medizinische Diagnosen …. .

Und vom Vorgehen noch perfekter: Nutzen Sie die Lernmethode in der Lerngruppe. Dort kann einer einen solchen Text „herrichten“ und als Aufgabe mit Musterlösung an die anderen versenden.

Viel Erfolg

Ihr

Werner Heister

Berichtshefte bzw. E-Portfolios als Prüfungsform

Wissenscontainer
Tonne mit Wissensinhalten

Eine neue, interessante Prüfungsform – unter dem etabliertem Namen eher bekannt – erobert die Hochschulen: Portfolios oder E-Portfolios. Der etablierte Begriff ist: Berichtsheft. Und somit E-Portfolio = Online Berichtsheft:

„E-Portfolios sind netzbasierte Sammelmappen, die verschiedene digitale Medien und Services integrieren und auch im E-Learning eingesetzt werden. Das elektronische Portfolio können Studierende benutzen, um Kompetenz auszuweisen und ihren Lernprozess zu reflektieren. “ Quelle.

Mit anderen Worten: Mittels eines E-Portfolios können erledigte Aufgaben, Projektstände etc. Und damit verbunden Kompetenzen und Qualifikationen in digitaler Form dokumentiert werden.

Dazu werden die Materialien elektronisch in einem Portfolio – mit entsprechender Softwareunterstützung – gesammelt und gespeichert werden.

Empfehlenswert – auch selber einmal seitens der Studierenden in einem Seminar als Prüfungsform vorzuschlagen

Ihr

Werner Heister